Epipremnum aureum: Die Geschichte der Efeutute
Epipremnum aureum, meist Efeutute genannt und auch als Pothos bekannt, ist als Zimmerpflanze leicht zu erkennen. Lange Triebe wachsen über den Topfrand und tragen herzförmige Blätter. Goldgelb panaschierte Formen zeigen gelbe Zeichnungen, Marble Queen ist cremefarben und grün marmoriert, und Neon hat leuchtend gelbgrüne Blätter.
Wächst die Ranke nach oben, verändert sie sich deutlich. Die Triebe werden kräftiger, die Blätter viel größer, und ausgewachsene Blätter entwickeln tiefe Einschnitte. Auch die Wurzeln, die aus dem Spross wachsen, übernehmen beim Klettern unterschiedliche Aufgaben.
Botaniker haben die Art im Lauf der Zeit mehreren verschiedenen Gattungen zugeordnet, und die Herkunft der kultivierten goldenen Form ist bis heute ungeklärt. Schon kurz nach ihrer wissenschaftlichen Erstbeschreibung im Jahr 1880 wurde sie von Gärtnereien in mehreren Ländern angeboten und über Generationen aus Stecklingen vermehrt. Später lernten Züchter, die Blüte gezielt auszulösen und neue Pflanzen aus Samen heranzuziehen.
Was genau ist Epipremnum aureum?
Warum die Pflanze oft Pothos genannt wird
Der Name „Pothos“ geht auf einen früheren wissenschaftlichen Namen der Pflanze zurück.
1880 wurde die Pflanze unter dem Namen Pothos aureus beschrieben. Botaniker ordneten sie später anderen Gattungen zu, doch „Pothos“ blieb im gärtnerischen Sprachgebrauch erhalten.
Das kann verwirrend sein, denn Pothos ist bis heute der wissenschaftliche Name einer eigenen Gattung. Die Zimmerpflanze, die international meist als Pothos bezeichnet wird, gehört dagegen zur Gattung Epipremnum.
Im Handel wird der Name außerdem recht locker verwendet. Cebu Blue gehört zu Epipremnum pinnatum. Satin Pothos gehört zur Gattung Scindapsus. Der Herzblatt-Philodendron ist Philodendron hederaceum. Es handelt sich jeweils um verschiedene Aronstabgewächse.
Im Lauf der Zeit haben sich für Epipremnum aureum noch weitere gebräuchliche Namen eingebürgert. „Devil's ivy“ wird seit Jahrzehnten verwendet, wobei die Herkunft dieser Bezeichnung unklar ist.
Auch „Money plant“ hat in Teilen Südostasiens eine lange Geschichte. Ein Bericht aus Singapur und Malaya verband den Namen mit dem Glauben, dass eine Blüte Wohlstand bringe.
Wie sich der wissenschaftliche Name änderte
Zunächst wurde die Pflanze unter dem Namen Pothos aureus beschrieben. Später stellten Botaniker sie erst zu Scindapsus, dann zu Rhaphidophora und schließlich zu Epipremnum.
Ein Grund dafür, dass die Einordnung so lange dauerte, war die äußerst seltene Blüte in Kultur. Frühe Botaniker konnten reichlich Blätter und Triebe untersuchen, Blüten standen ihnen dagegen nur selten zur Verfügung. Gerade Blüten besitzen Merkmale, anhand derer sich verwandte Aronstabgewächse voneinander unterscheiden lassen.
Als kultivierte Pflanzen schließlich blühten, konnten Botaniker diese bislang fehlenden Merkmale untersuchen und die Einordnung neu bewerten.
Zu diesem Zeitpunkt wurde die Pflanze bereits international kultiviert. Ältere wissenschaftliche Namen tauchten deshalb auch nach den taxonomischen Änderungen weiter in Gärtnereikatalogen, Büchern und der Alltagssprache auf.
Woher stammt die kultivierte goldene Form?
Der früheste veröffentlichte Bericht brachte die Pflanze mit den Salomonen in Verbindung. Spätere gärtnerische und botanische Aufzeichnungen des 19. Jahrhunderts übernahmen diese Herkunftsangabe. Bis heute wurde dort jedoch keine Wildpopulation als Ursprung der kultivierten goldenen Form bestätigt.
Auch spätere botanische Arbeiten konnten nicht klären, woher die kultivierte goldene Form ursprünglich stammt. Eine Möglichkeit ist, dass die auf den Salomonen beobachtete Pflanze dort bereits kultiviert wurde.
Kew erkennt Epipremnum aureum derzeit als eigenständige Art an und nennt Moorea auf den Gesellschaftsinseln als natürliches Verbreitungsgebiet.
Andere botanische Bearbeitungen ordnen die betreffenden Pflanzen Epipremnum pinnatum zu. Genetische Untersuchungen an Proben der pazifischen „taro vine“ zeigten zudem eine sehr große Ähnlichkeit mit E. pinnatum.
Wie die kultivierte goldene Form mit Epipremnum pinnatum zusammenhängt und wo sie letztlich ihren Ursprung hat, ist weiterhin ungeklärt.
Epipremnum aureum ist eine Kletterpflanze feuchter Tropenregionen. Solange Botaniker die Kulturpflanze keiner Wildpopulation sicher zuordnen können, bleiben ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet und ihre frühe Geschichte offen.
Wie sich Epipremnum aureum beim Klettern verändert
Von der rankenden Zimmerpflanze zur großblättrigen Kletterpflanze
Wachsen die Triebe von Epipremnum aureum seitlich oder hängen sie nach unten, bleiben die Blätter meist kleiner.
Beim Klettern verändert sich die Pflanze.
Die Triebe werden dicker und kräftiger. Die Blattstiele verlängern sich. Neue Blätter werden nach und nach größer, und ausgewachsene Blätter entwickeln tiefe Einschnitte, die vom Rand zur Blattmitte reichen.
Botanische Beschreibungen nennen für ausgewachsene Blätter Größen von bis zu etwa 90 × 60 cm.
Die Ranke kann außerdem lange Triebe bilden, die auf neue Kletterflächen zuwachsen. Bei etablierten Pflanzen wachsen manche Triebe aus höheren Bereichen wieder nach unten. Wurzeln entlang der Sprosse geben der Pflanze Halt, während längere Wurzeln bis zum Boden reichen und dort Wasser aufnehmen können.
Dass kletternde Pflanzen deutlich größere Blätter bilden, war Gärtnern schon vor Jahrzehnten aufgefallen.
Was größere Blätter beim Klettern fördert
Versuche zeigen, dass die Blattgröße von Licht, Wachstum nach oben und direktem Kontakt mit einer Kletterfläche beeinflusst wird.
In Versuchen führte eine höhere Lichtintensität selbst bei einigen hängenden oder waagerecht wachsenden Pflanzen zu größeren Blättern. Am größten wurden die Blätter, wenn hohe Lichtintensität, Wachstum nach oben und Kontakt zu einer Kletterfläche zusammenwirkten. Unter diesen Bedingungen erreichten manche Blätter fast 1.000 cm².
Spätere Versuche zeigten dasselbe Grundmuster: Besonders große Blätter entstanden bei kletternden Pflanzen unter höherer Lichtintensität.
Ein Moosstab bietet der Ranke eine Kletterfläche und unterstützt neue Triebe dabei, nach oben zu wachsen und Kontakt zur Stütze zu halten.
Stecklinge derselben Pflanze können sich optisch sehr unterschiedlich entwickeln. Ein hängender Trieb kann kleinere Blätter behalten, während ein kletternder Trieb nach und nach deutlich größere und zunehmend stärker eingeschnittene Blätter bildet.
Wie sich ausgewachsene Blätter entwickeln
Die herzförmigen Blätter, die man an vielen als Zimmerpflanze gehaltenen Efeututen sieht, sind typisch für herabhängende Triebe oder für Pflanzen, die noch keinen ausgewachsenen Kletterwuchs entwickelt haben.
Wenn sich die Klettertriebe weiterentwickeln, können neue Blätter deutlich größer werden und tiefere Einschnitte entwickeln. Diese reichen vom Blattrand nach innen; die ausgewachsene Blattform wird botanisch als fiederspaltig beziehungsweise pinnatifid bezeichnet.
Wurzeln mit unterschiedlichen Aufgaben
Haftwurzeln und lange Luftwurzeln
Wurzeln, die aus dem Spross wachsen, können unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Kurze Haftwurzeln helfen Epipremnum aureum, sich an einem Stamm oder einer anderen Kletterfläche festzuhalten.
Lange Luftwurzeln können aus höher gelegenen Teilen der Ranke bis zum Boden wachsen und dort Wasser aufnehmen.
Botaniker beschrieben diese unterschiedlichen Wurzeltypen bereits vor mehr als einem Jahrhundert. Sogar ein und dieselbe Luftwurzel kann sich entlang ihres Verlaufs unterschiedlich entwickeln.
Wie sich eine Wurzel entlang ihres Verlaufs anpasst
Abschnitte einer Luftwurzel, die sich frei in der Luft befinden, bilden schützendes Außengewebe, das den Wasserverlust verringert.
Dort, wo die Wurzel einen Baumstamm oder eine andere Stütze berührt, bleiben Wurzelhaare erhalten. Versuche mit Markierungssubstanzen haben gezeigt, dass über diese Kontaktstellen Wasser aufgenommen werden kann.
Verschiedene Abschnitte derselben Wurzel können daher unterschiedliche Aufgaben übernehmen, je nachdem, wo sie wachsen.
Die braunen Wurzeln eines kletternden Epipremnum aureum erfüllen verschiedene Aufgaben. Einige halten den Trieb an der Unterlage fest, andere nehmen an geeigneten Kontaktstellen Wasser auf. Lange Luftwurzeln können bis zum Boden zurückwachsen.
Blüte und Samenbildung
Warum die Blüte für Botaniker wichtig war
Kultiviertes Epipremnum aureum blüht nur sehr selten.
Lange Zeit konnten Botaniker zwar reichlich Blätter und Triebe untersuchen, hatten aber kaum Blüten zur Verfügung. Als kultivierte Pflanzen schließlich blühten, ließen sich auch die Blütenmerkmale untersuchen, die zur Unterscheidung verwandter Aronstabgewächse herangezogen werden.
Warum die Pflanze so selten blüht
Wissenschaftler fanden bei kultiviertem Epipremnum aureum ungewöhnlich niedrige Mengen an Gibberellinen. Diese Pflanzenhormone sind unter anderem an Wachstum und Blütenbildung beteiligt.
Behandelten sie die Pflanzen mit Gibberellinsäure, kurz GA₃, kamen sie zur Blüte.
Die Reaktion auf GA₃ zeigte, dass Gibberelline an der Steuerung der Blüte beteiligt sind. Damit hatten Züchter eine Möglichkeit, die Pflanzen für kontrollierte Kreuzungen gezielt zum Blühen zu bringen.
Von der Blüte zum Samen
Züchter nutzten dieses Verfahren bei Marble Queen.
Sie brachten die Pflanzen gezielt zur Blüte, bestäubten die Blüten von Hand und konnten erfolgreich Samen gewinnen. Damit war bestätigt, dass sich Epipremnum aureum geschlechtlich vermehren kann. Anschließend konnten Züchter aus den Sämlingen Pflanzen mit gewünschten neuen Merkmalen auswählen.
Wie sich die Pflanze in der Natur fortpflanzt, ist weiterhin nur wenig bekannt. Ihre natürlichen Bestäuber, die Ausbreitung der Samen und die Häufigkeit, mit der sich Sämlinge in der Natur etablieren, sind kaum dokumentiert. Ebenfalls unklar ist, welche Rolle die Vermehrung über Samen bei Populationen spielt, die aus Kultur entkommen und verwildert sind.
Wie Epipremnum aureum zur weltweit verbreiteten Zimmerpflanze wurde
Die einfache Vermehrung förderte ihre Verbreitung
Sprossstücke von Epipremnum aureum bilden leicht Wurzeln, sofern sie einen Knoten besitzen.
Gärtner können eine Pflanze mit gewünschten Eigenschaften immer wieder vegetativ vermehren und dabei ihr Aussehen sowie andere vererbte Merkmale erhalten. Weil Stecklinge so leicht Wurzeln bilden, konnten Gärtnereien Efeututen schnell vermehren und in großen Stückzahlen in den Handel bringen.
Wie sich die Efeutute ab 1880 international verbreitete
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung als Pothos aureus erschien 1880.
Die britische Gärtnerei William Bull führte Pothos aureus unter den Pflanzen auf, die sie 1881 auslieferte. Die Royal Botanic Gardens in Peradeniya verzeichneten die Einführung ebenfalls für 1881. Hoopes, Bro. & Thomas boten die Pflanze 1882 in einem amerikanischen Katalog an, und die Singapore Botanic Gardens führten sie im selben Jahr unter ihren neu eingeführten Pflanzen.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde sie in amerikanischer Gartenbauliteratur bereits als verbreitete Kulturpflanze beschrieben.
Die Pflanze verbreitete sich also international, während Botaniker noch klärten, wie sie taxonomisch einzuordnen war.
Gärtnereien verwendeten weiterhin ältere wissenschaftliche Namen, und auch die Herkunftsangabe Salomonen blieb in Katalogen erhalten. Zusätzlich tauchten Handelsnamen wie Golden Ceylon Creeper auf.
Vom kleinen Topf bis zum großen Schauexemplar
Epipremnum aureum ließ sich als kleine Topfpflanze, in einer Hängeampel, kletternd an einer Stütze oder als großes Exemplar für Innenraumbegrünungen kultivieren.
Millionenfach produziert und verkauft
Im 21. Jahrhundert wurde die Efeutute in sehr großen Stückzahlen produziert.
Laut dem US-amerikanischen Census of Horticultural Specialties von 2019 meldeten Betriebe Millionen getopfter Epipremnum-Pflanzen und mehr als 1,6 Millionen Hängeampeln mit Pothos.
Die getrennt ausgewiesenen USDA-Zahlen für Topfpflanzen und Hängeampeln ergeben zusammen einen Umsatz von rund 22,9 Millionen US-Dollar.
Zu diesem Zeitpunkt wurde Epipremnum aureum bereits seit weit mehr als einem Jahrhundert kommerziell kultiviert und verkauft.
Über einen großen Teil dieser Zeit vermehrten Gärtner immer wieder dieselben bekannten Formen. Neue Sorten entstanden durch spontane Mutationen und später auch durch gezielte Züchtung und die Auswahl neuer Merkmale.
Wie die Sorten von Epipremnum aureum entstanden
Golden, Marble Queen, Jade und Neon
Über Jahrzehnte wurden vor allem einige wenige bekannte Sorten von Epipremnum aureum kultiviert.
Golden, Marble Queen und Jade waren bereits seit Jahrzehnten etabliert; Neon kam später hinzu.
Die Geschichte dieser älteren Sorten ist nur lückenhaft dokumentiert.
Marble Queen war spätestens 1953 eine etablierte, nicht patentierte Sorte. Wer sie ursprünglich gezüchtet hat, wo sie entstand und wann sie erstmals auf den Markt kam, ist unbekannt.
Auch die Geschichte von Jade ist unsicher. Der Botaniker Peter Boyce vermutete, dass sie aus einem Trieb von Marble Queen hervorgegangen sein könnte, der seine Panaschierung verlor und vollständig grün wurde. Er stellte dies jedoch ausdrücklich nur als Möglichkeit dar.
Neon erschien später. Handelsunterlagen deuten darauf hin, dass die Sorte nach Mitte der 1970er-Jahre entstand und spätestens Ende der 1980er-Jahre verkauft wurde. Wer die Sorte ursprünglich züchtete und wann sie genau eingeführt wurde, ist weiterhin unbekannt.
Bei neueren Sorten lässt sich die Entstehung oft besser nachvollziehen, weil Patente und Sortenregistrierungen ihre Geschichte dokumentieren.
Neue Sorten können auf verschiedene Weise entstehen
Manche beginnen mit einem einzelnen Trieb, der plötzlich anders aussehende Blätter hervorbringt.
Bleibt diese Veränderung bei der Vermehrung des Triebs stabil, können Gärtner die neue Form weiter vermehren. Eine solche spontan an einem Trieb auftretende Veränderung wird als Sprossmutation bezeichnet.
NJOY, Manjula, Global Green, Jessenia und Lemon Meringue wurden zunächst jeweils als Sprossmutationen entdeckt. Manjula trat an einer von einem Züchter ausgewählten Form namens ‘Compacta’ auf. Costa Farms führt Lemon Meringue auf eine Mutation von Global Green zurück.
Ein Forschungsteam der University of Florida erhöhte die Wahrscheinlichkeit von Mutationen gezielt, indem es Marble Queen Gammastrahlung aussetzte und anschließend Pflanzen mit gewünschten neuen Eigenschaften auswählte. Aus dieser Arbeit gingen Green Genie und Pearls and Jade hervor.
Auch Pflanzen aus Gewebekultur können sich gelegentlich vom Ausgangsmaterial unterscheiden. Pflanzen mit nützlichen neuen Merkmalen lassen sich auswählen und weiter vermehren.
Der Einfluss von Marble Queen
Mehrere moderne Sorten von Epipremnum aureum gehen auf Marble Queen zurück.
Valencia wurde in Japan aus einer Mutation von Marble Queen ausgewählt. Global Green, offiziell als ‘Asaoka Second’ registriert, ist ebenfalls als Mutation von Marble Queen dokumentiert. Jessenia entstand aus Marble Queen, und auch NJOY lässt sich über eine frühere Selektion auf Marble Queen zurückführen.
Züchter der University of Florida nutzten Marble Queen zur Entwicklung von Green Genie und Pearls and Jade. Später setzten sie Marble Queen außerdem in Versuchen ein, aus denen Sämlinge hervorgingen.
Wie Panaschierung entsteht
Panaschierung bezeichnet sichtbare Bereiche unterschiedlicher Farbe auf einem Blatt. Bei Epipremnum aureum können solche Muster auf verschiedene Weise entstehen.
In Gewebekulturversuchen mit Golden Pothos entstanden stabile grüne, panaschierte und blassgelbe Pflanzen. Bei den hellen Pflanzen entwickelten sich die Chloroplasten – die Zellbestandteile, in denen die Photosynthese stattfindet – anders.
Auch andere Mutationen können die Entwicklung der Chloroplasten beeinflussen. Spontane Sprossmutationen, gezielt ausgelöste Mutationen und Veränderungen in der Gewebekultur können daher neue Farbzeichnungen hervorbringen.
Helle Blattbereiche können weniger weit entwickelte Chloroplasten enthalten und deshalb weniger Photosynthese betreiben als grünere Bereiche.
Züchtung von Efeututen in Japan
In Japan werden seit Jahrzehnten neue Epipremnum-Sorten ausgewählt und registriert.
Terunori Ito und andere Züchter entdeckten stabile Mutationen, vermehrten sie und ließen neue Sorten registrieren.
Valencia wurde in Japan aus einer Mutation von Marble Queen ausgewählt. Spätere Teruno-Sorten wurden aus Valencia und weiteren Pflanzen ausgewählt, die mit Marble Queen verwandt sind.
Warum Sortennamen verwirrend sein können
Der Name, unter dem eine Pflanze im Handel verkauft wird, kann vom Namen in offiziellen Registrierungsunterlagen abweichen.
Global Green ist beispielsweise offiziell als ‘Asaoka Second’ registriert.
NJOY und N'Joy Gold werden aus einem anderen Grund leicht verwechselt. NJOY ist eine Sorte. N'Joy Gold ist eine andere registrierte Sorte mit der Bezeichnung ‘HANSOTI 30’.
Dieselbe Sorte kann deshalb in Züchtungsunterlagen, Registrierungen und im Handel unter unterschiedlichen Namen auftauchen. Auch Datumsangaben können voneinander abweichen: Eine Pflanze kann Jahre vor ihrer Registrierung entdeckt werden und erst später in größerem Umfang in den Handel kommen.
Züchtung aus Samen
Nachdem Marble Queen gezielt zur Blüte gebracht und von Hand bestäubt worden war, konnten Züchter Sämlinge heranziehen und daraus vielversprechende Pflanzen auswählen.
Züchter der University of Florida arbeiteten später mit Nachkommen dieser Sämlinge weiter, darunter auch Pflanzen, die über Gewebekultur vermehrt wurden.
Da sich Sämlinge genetisch voneinander unterscheiden, standen den Züchtern neue Merkmalskombinationen für die weitere Auswahl zur Verfügung.
Wenn sich Epipremnum aureum in den Tropen im Freien ansiedelt
Auch Sprossstücke können neue Pflanzen hervorbringen
Unter warmen, feuchten Bedingungen können Sprossstücke von Epipremnum aureum überleben und neu austreiben.
Versuche haben gezeigt, dass sich sogar Fragmente ohne bereits ausgebildete Wurzeln regenerieren können.
Weggeworfenes Pflanzenmaterial und aus Gärten entkommene Triebe können sich deshalb in tropischen und subtropischen Gebieten zu neuen Pflanzen entwickeln.
Wo die Art invasiv geworden ist
In KwaZulu-Natal in Südafrika dokumentierten Forschende 78 Populationen, die sich außerhalb von Gärten und anderen Pflanzungen angesiedelt hatten. Zusammen umfassten sie schätzungsweise 187.000 Pflanzen auf rund 3 Hektar. Entkommene Gartenpflanzen und weggeworfenes Pflanzenmaterial galten als wahrscheinliche Ausgangspunkte.
Eine Bewertung für den gesamten Bundesstaat Florida stuft Epipremnum aureum mit einem hohen Invasionsrisiko ein. Die gesetzliche Liste der dort als besonders problematisch eingestuften Unkräuter ist davon jedoch getrennt.
Im Pazifik gilt die dort als „taro vine“ bezeichnete Pflanze in Niue und Französisch-Polynesien als stark invasiv. Invasive Populationen wurden außerdem auf den Cookinseln, Hawaii, den Marshallinseln, Samoa, Tonga sowie Wallis und Futuna gemeldet.
Ein regionales Programm untersucht die biologische Bekämpfung, bei der sorgfältig ausgewählte natürliche Gegenspieler eingesetzt werden, um die Ausbreitung der Pflanze zu begrenzen. Bevor ein solcher Gegenspieler getestet werden kann, müssen Forschende genau bestimmen, welche Pflanze unter der Bezeichnung „taro vine“ tatsächlich bekämpft werden soll.
Hat sich die Ranke in einem geeigneten warmen, feuchten Klima etabliert, kann sie sich schnell über Triebe und Pflanzenfragmente ausbreiten. Die Auswirkungen auf die umgebende Vegetation unterscheiden sich von Standort zu Standort und werden weiterhin erforscht.
Die dokumentierten invasiven Vorkommen liegen in warmen tropischen und subtropischen Regionen. In den meisten gemäßigten Teilen Europas herrschen im Freien nicht ganzjährig vergleichbare Bedingungen.
Was das für Epipremnum aureum zu Hause bedeutet
Licht
Epipremnum aureum kann auch bei wenig Licht in Innenräumen weiterwachsen.
Bei mehr Licht wächst die Pflanze kräftiger. Kletternde Pflanzen bilden ihre größten Blätter, wenn sie ausreichend Licht erhalten, nach oben wachsen und Kontakt zu einer Kletterhilfe behalten.
Ist sie daran gewöhnt, kommt sie auch mit hoher Lichtintensität zurecht. Eine Pflanze, die bisher in einem eher dunklen Raum stand, sollte schrittweise an deutlich hellere Bedingungen gewöhnt werden, damit sich die Blätter anpassen können.
Wie Wassermangel das Wachstum beeinflusst
Epipremnum aureum kann eine längere Zeit ohne Wasser überleben.
Studien zeigten, dass neue Blätter bei zunehmendem Wassermangel immer langsamer an Größe zunahmen und schließlich gar nicht mehr wuchsen, obwohl die Pflanzen noch lebten. Auch die Photosynthese nahm ab, und bei anhaltender Trockenheit zeigten die Pflanzen zunehmend deutliche Anzeichen von Trockenstress.
Eine Efeutute kann also eine längere Trockenphase überstehen, obwohl der Neuaustrieb bereits stark verlangsamt ist und die Photosynthese deutlich zurückgegangen ist.
Blattfarbe und Wachstum
Golden, Jade, Neon und andere Sorten unterscheiden sich nicht nur in der Blattfarbe, sondern auch genetisch.
Helle Blattbereiche können weniger Photosynthese betreiben als grünere Bereiche.
Wie schnell eine Sorte wächst, hängt von ihrer Genetik ebenso ab wie von Licht, Wasser, Temperatur und der Gesundheit der Wurzeln.
Wurzeln in Luft und Wasser
Manche Wurzeln an einem kletternden Trieb halten die Ranke fest. Andere nehmen dort Wasser auf, wo sie eine geeignete Oberfläche berühren, während lange Luftwurzeln wieder bis zur Erde wachsen können.
Wächst die Pflanze mit ihren Wurzeln im Wasser, können diese Nitrat und andere gelöste Nährstoffe aufnehmen.
Weil die Wurzeln gelöste Nährstoffe aufnehmen können, wird Epipremnum aureum häufig mit den Wurzeln in einem Aquarium oder einem Gefäß mit Wasser kultiviert.
In einem Aquarium kann die Pflanze dazu beitragen, einen Teil der gelösten Nährstoffe aus dem Wasser aufzunehmen. Filterung, Wasserwechsel und die übliche Aquarienpflege bleiben trotzdem erforderlich.
Reizung durch Calciumoxalat
Epipremnum aureum enthält unlösliche Calciumoxalatkristalle.
Beim Kauen auf Pflanzenteilen werden diese Kristalle in Mund und Rachen freigesetzt und verursachen dort Reizungen.
Katzen und Hunde können nach dem Anknabbern stark speicheln, Beschwerden im Maulbereich zeigen, erbrechen oder Schwierigkeiten beim Schlucken haben.
Auch bei Menschen sind ähnliche Reizungen möglich. Pflanzensaft kann außerdem Haut und Augen reizen; gelangt er direkt ins Auge, sind schwere Verletzungen möglich.
Ein Standort, an dem Haustiere und kleine Kinder die Pflanze möglichst nicht erreichen und anknabbern können, verringert das Risiko eines Kontakts.
Raumluft
In geschlossenen Laborkammern kann Epipremnum aureum messbare Mengen flüchtiger organischer Verbindungen aus der Luft entfernen.
In Wohnräumen wird die Luft jedoch durch Lüftung, Türen, Fenster und andere Öffnungen ständig ausgetauscht. Einige gewöhnliche Topfpflanzen tragen deshalb nur wenig dazu bei, Schadstoffe aus der Raumluft zu entfernen.
Aktive Pflanzenfilter verwenden einen Ventilator, der Raumluft durch Wurzeln und Pflanzsubstrat leitet. Der vom Ventilator erzeugte Luftstrom ist ein wesentlicher Teil ihrer Funktionsweise.
Für die Luftqualität zu Hause bleibt eine gute Belüftung die wichtigste praktische Maßnahme.
Epipremnum aureum nach mehr als einem Jahrhundert als Kulturpflanze
Epipremnum aureum verbreitete sich über Stecklinge und den internationalen Pflanzenhandel in weiten Teilen der Welt. Gärtnereien verkauften die Pflanze in Hängeampeln, kleinen Töpfen, kletternd an Stützen und als große Exemplare für Innenräume. Später kamen neue Sorten hinzu, die aus Mutationen, Veränderungen in der Gewebekultur oder aus Sämlingen hervorgingen.
Beim Klettern kann die Ranke enorme, tief geteilte Blätter entwickeln. Ihre Luftwurzeln halten die Pflanze an Stützen, können Wasser aufnehmen und bis zum Boden wachsen. Die Blüte lässt sich gezielt auslösen, sodass Züchter neue Pflanzen aus Samen heranziehen können.
Ihre frühe Geschichte ist dennoch bis heute ungeklärt.
Für die frühe Angabe, die Pflanze stamme von den Salomonen, wurde nie eine entsprechende Wildpopulation nachgewiesen. Kew führt Epipremnum aureum als auf Moorea heimisch, während andere botanische Arbeiten und genetische Studien aus dem Pazifik eine enge Verbindung zu Epipremnum pinnatum zeigen.
Seit mehr als einem Jahrhundert wird Epipremnum aureum international kultiviert und ist bis heute eine vertraute Zimmerpflanze. Wo sie in der Natur ursprünglich vorkam und in welchem Verhältnis sie zu Epipremnum pinnatum steht, ist weiterhin ungeklärt.
Quellen
Taxonomie und gärtnerische Geschichte
- Royal Botanic Gardens, Kew — Plants of the World Online: Epipremnum aureum
- International Plant Names Index — Pothos aureus Linden ex André, veröffentlicht 1880
- Boyce, P.C. (2004) — A Review of Epipremnum (Araceae) in Cultivation
- Furtado, C.X. (1964) — Pothos aurea Hort. Linden, Gardens' Bulletin Singapore 20: 377–380
- William Bull (Firm) — historischer Gärtnereibeleg, der Pothos aurea unter den 1881 eingeführten und ausgelieferten Pflanzen aufführt
- Royal Botanic Gardens, Peradeniya — Hortus Zeylanicus, mit einer Einführung von Pothos aurea im Jahr 1881
- Hoopes, Bro. & Thomas (1882) — Handbook of Beautiful Flowers, mit dem Angebot „New Pothos Aurea“
- Singapore Botanic Gardens — Jahresbericht für 1882, der Pothos aurea unter den neu eingeführten Pflanzen aufführt
- University of Florida IFAS Extension — Cultural Guidelines for Commercial Production of Interiorscape Epipremnum
- USDA National Agricultural Statistics Service — 2019 Census of Horticultural Specialties
Wachstum, Wurzeln und Blüte
- Steinitz, B. et al. — Thigmomorphogenesis and its Interaction with Gravity in Climbing Plants of Epipremnum aureum
- Brito, C. et al. (2022) — Untangling leaf expansion triggers: A new experimental study with Epipremnum aureum
- Brito, C. et al. (2025) — Increasing leaf sizes of the vine Epipremnum aureum: photosynthesis and respiration
- Mantovani, A. & Groba, Y.C. (2026) — Sclerified Cork Outperforms the Exodermis: Root Water Permeability Decreases in the Soil-to-Canopy Transition of the Aroid Vine Epipremnum aureum
- Hung, C.-Y. et al. (2016) — Gibberellin deficiency is responsible for shy-flowering nature of Epipremnum aureum
Sorten und Züchtung
- Hung, C.-Y. & Xie, J.H. (2009) — A comparison of plants regenerated from a variegated Epipremnum aureum
- Hung, C.-Y. et al. (2010) — Identification of a Mg-protoporphyrin IX monomethyl ester cyclase homologue, EaZIP, differentially expressed in variegated Epipremnum aureum ‘Golden Pothos’
- Japan Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries — Sortenregistrierung ‘Asaoka Second’
- Community Plant Variety Office — Official Gazette 6/2021, mit Angaben zu den Handelsnamen ‘HANSOTI 30’ und ‘Asaoka Second’
- Costa Farms — Verweise auf Pflanzenpatente für Global Green, Lemon Meringue, Manjula, Pearls and Jade und weitere Sorten
Invasivität und Ökologie
- Manaaki Whenua – Landcare Research — Progress for taro vine in the Pacific
- Moodley, D., Procheş, Ş. & Wilson, J.R.U. (2017) — Assessing and managing the threat posed by Epipremnum aureum in South Africa
- University of Florida IFAS — Weed Risk Assessment for Epipremnum aureum
Zimmerkultur, Nutzung und Sicherheit
- University of Illinois — A Study of Pothos (Epipremnum aureum) Water Requirements
- Yadav, R.K., Sahoo, S., Yadav, A.K. & Patil, S.A. (2021) — Epipremnum aureum as a candidate for nutrient removal from wastewaters
- ASPCA Animal Poison Control — Giftigkeit von Golden Pothos
- NC State Extension — Giftigkeit von Epipremnum aureum für Menschen und Tiere, einschließlich Reizungen von Mund und Haut
- Epipremnum aureum Keratopathy: Case Report and Review of the Literature — dokumentierte Augenverletzung beim Menschen nach Kontakt mit dem Pflanzensaft einer Efeutute
- Cummings, B.E. & Waring, M.S. (2020) — Potted plants do not improve indoor air quality: a review and analysis of reported VOC removal efficiencies





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