Wasservermehrung von Zimmerpflanzen – Anleitung, Tipps & häufige Fehler
Warum Vermehrung im Wasser bei Zimmerpflanzen so fasziniert
Es ist erstaunlich befriedigend, in einem klaren Glas neue Wurzeln wachsen zu sehen. Ein Steckling, der vor ein paar Tagen noch wie ein loses Stück Stängel aussah, bildet erst helle kleine Verdickungen, dann kurze Wurzeln und später verzweigte Wurzeln, die neues Wachstum tragen können. Vermehrung im Wasser macht Pflanzenpflege sichtbar, praktisch und leicht verständlich.
Du brauchst dafür kein kompliziertes Zubehör: ein sauberes Glas, frisches Wasser mit Zimmertemperatur und einen gesunden Steckling mit mindestens einem Knoten. Besonders gut funktioniert diese Methode bei weichstieligen, knotigen Zimmerpflanzen wie Efeutute, Herzblatt-Philodendron, Syngonium, Buntnessel, Schwedischem Efeu, Tradescantia und vielen anderen schnell wachsenden Zimmerpflanzen.
Für jede Pflanze ist Wasservermehrung aber nicht die richtige Methode. Sukkulenten, Kakteen, verholzte Triebe, Zwiebeln, Knollen und Speicherorgane brauchen meist einen anderen Weg. Sobald du verstehst, warum manche Stecklinge im Wasser sauber wurzeln und andere weich werden oder faulen, wird die ganze Methode deutlich berechenbarer.
Was dich in diesem Leitfaden erwartet
Welche Zimmerpflanzen sich gut im Wasser vermehren lassen und welche besser anders vermehrt werden
Was im Steckling passiert, während neue Wurzeln entstehen
Wie du einen kräftigen Steckling auswählst, schneidest, reinigst und vorbereitest
Wie oft du das Wasser wechseln solltest und woran du gesunde Wurzeln erkennst
Wann ein bewurzelter Steckling in Substrat umziehen kann, ohne unnötig gestresst zu werden
Wie du häufige Probleme wie Fäulnis, Algen, langsame Wurzelbildung und gelbe Blätter behebst
Am Ende weißt du, wie aus einem gesunden Steckling eine gut bewurzelte Jungpflanze wird, mit weniger Ausfällen, saubereren Gläsern und besserem Timing. Für einen breiteren Überblick findest du hier zusätzlich unseren Leitfaden zur Vermehrung von Zimmerpflanzen.
Saubere, helle Wurzeln sind das Zeichen, auf das man bei der Wasservermehrung wartet: Der Steckling lebt, ist aktiv und bereitet sich auf den nächsten Schritt vor.
Wasservermehrung bedeutet, dass ein Steckling in Wasser steht und dort neue Wurzeln bildet, bevor er in Erde oder ein anderes Pflanzsubstrat gesetzt wird. Bei Zimmerpflanzen geht es dabei meistens um Stängelstecklinge. Entscheidend ist der Knoten: die Stelle am Stängel, an der ein Blatt, eine Luftwurzel, eine Knospe oder ein Seitentrieb entstehen kann.
Neue Wurzeln, die aus einem Stängel und nicht aus dem ursprünglichen Wurzelsystem der Pflanze entstehen, heißen Adventivwurzeln. Sie bilden sich, nachdem der Steckling auf den Schnitt reagiert, gespeicherte Energie umleitet und in der Nähe des Knotens oder der Schnittstelle Wurzelgewebe anlegt.
Die einfache Grundmethode
Wähle einen gesunden Trieb mit mindestens einem gut erkennbaren Knoten.
Schneide knapp unter einem Knoten mit sauberer, scharfer Schere oder Gartenschere.
Entferne alle Blätter, die später im Wasser stehen würden.
Stelle den Knoten in sauberes Wasser mit Zimmertemperatur.
Platziere das Glas hell, aber ohne direkte Sonne, und wechsle das Wasser, bevor es trüb wird.
Viele weichstielige Zimmerpflanzen wurzeln mit genau diesem einfachen Aufbau. Efeutute, Herzblatt-Philodendron, Syngonium, Buntnessel, Schwedischer Efeu und Tradescantia gehören zu den unkompliziertesten Kandidaten.
Worin sich Wasservermehrung von Vermehrung im Substrat unterscheidet
Wasser gibt Stecklingen dauerhaft Feuchtigkeit, verhält sich aber nicht wie Substrat. Erde und luftige Pflanzmischungen speichern Feuchtigkeit und schaffen gleichzeitig kleine Lufträume rund um die Wurzeln. In stehendem Wasser ist deutlich weniger Sauerstoff vorhanden, und dieser Sauerstoffgehalt sinkt weiter, wenn das Wasser nicht gewechselt wird.
Das beeinflusst Wurzelstruktur und Umzug ins Substrat:
Sauerstoff ist entscheidend: stehendes Wasser bremst die Wurzelbildung und erhöht das Risiko für Fäulnis. Wechsle das Wasser alle 3–7 Tage, je nach Pflanzenart, Raumtemperatur und Sauberkeit des Glases.
Wasserwurzeln sind anders aufgebaut: Wurzeln, die im Wasser entstehen, sind oft glatter, empfindlicher und weniger dicht mit feinen Wurzelhaaren besetzt als Wurzeln aus Pflanzsubstrat.
Der richtige Zeitpunkt zählt: Setze die meisten Stecklinge ins Substrat, wenn die Wurzeln etwa 2,5–5 cm lang sind und anfangen, sich zu verzweigen. Sehr lange Wasserwurzeln können sich verheddern, abbrechen oder nach dem Einpflanzen schlechter umstellen.
Wasservermehrung ist keine dauerhafte Hydrokultur
Ein Glas Wasser ist eine Bewurzelungsmethode, kein vollständiges Langzeit-Anbausystem. Stecklinge können eine Weile dekorativ im Wasser stehen, aber reines Wasser bietet nicht dieselbe Belüftung, Nährstoffbalance, Wurzelstütze und Stabilität wie ein durchdachtes Kultursystem. Für langfristige Kultur im Wasser brauchen Pflanzen kontrolliertere Nährstoffe, mehr Sauerstoff und bessere Hygiene als in einem einfachen Vermehrungsglas.
Für die meisten Zimmerpflanzen funktioniert Wasservermehrung am besten als vorübergehende Bewurzelungsphase, bevor die junge Pflanze in ein luftiges Substrat umzieht. Wie unterschiedlich Substrate funktionieren, erklären wir ausführlicher im Leitfaden zu Zimmerpflanzen-Substraten.
Warum Wasservermehrung so nützlich ist
Du siehst den Fortschritt: kein Raten, kein Graben, kein unnötiges Stören des Stecklings.
Die Methode ist unkompliziert, sauber und kostet kaum etwas: ein Glas, frisches Wasser und ein gesunder Steckling reichen aus.
Du erkennst schneller, was der Steckling gerade braucht: helle Wurzeln, trübes Wasser, gelbe Blätter und weiche Stängel zeigen dir, was passiert.
Mit passenden Pflanzen geht es oft schnell: schnell wurzelnde Arten können bei Wärme und hellem, indirektem Licht innerhalb von ein bis zwei Wochen erste Wurzelansätze zeigen.
Weichstielige, knotige Zimmerpflanzen gehören meist zu den einfachsten Kandidaten für saubere, sichtbare Wurzelbildung im Wasser.
2. Die besten Zimmerpflanzen für Wasservermehrung
Die besten Pflanzen für Wasservermehrung haben meist drei gemeinsame Eigenschaften: flexible Stängel, gut erkennbare Knoten und die natürliche Fähigkeit, aus Stängelgewebe neue Wurzeln zu bilden. Viele kletternde und hängende Zimmerpflanzen tun das besonders leicht, weil sie auch beim Wachsen Knoten und Luftwurzeln zum Festhalten nutzen.
Wenn ein Steckling weiches oder halbweiches Gewebe, sichtbare Knoten und kein dickes wasserspeicherndes Pflanzengewebe hat, stehen die Chancen für Wasservermehrung gut.
Hängende und kletternde Zimmerpflanzen
Hängende und kletternde Arten sind meist der beste Einstieg. Ihre Triebe haben in regelmäßigen Abständen Knoten, und jeder gesunde Knoten kann zu einer Wurzelstelle werden.
Efeutute (Epipremnum aureum): eine der zuverlässigsten Pflanzen für Wasservermehrung. Gesunde Stecklinge mit Knoten beginnen bei hellem, indirektem Licht oft innerhalb von 1–2 Wochen zu wurzeln.
Herzblatt-Philodendron (Philodendron hederaceum): weiche Stängel und viele Knoten machen ihn zu einer verlässlichen Wahl fürs Vermehrungsglas.
Syngonium (Syngonium podophyllum): Stecklinge mit einem einzelnen Knoten wurzeln gut, besonders wenn sehr große Blätter etwas eingekürzt werden, damit der Steckling weniger Wasser verliert.
Tradescantia (Tradescantia zebrina, Tradescantia fluminensis): schnell wachsende Triebe wurzeln zügig und ergeben aus mehreren kurzen Stecklingen schnell einen volleren Topf.
Weichstielige Blattschmuckpflanzen
Weichstielige Pflanzen wurzeln oft schnell, weil ihr Gewebe gut auf Feuchtigkeit und neue Wurzelbildung reagiert. Sie eignen sich gut, wenn du sichtbare Ergebnisse möchtest, ohne monatelang zu warten.
Buntnessel (Plectranthus scutellarioides): ein sehr schneller Wurzler, der bei Wärme und hellem Standort oft schon innerhalb einer Woche sichtbare Wurzeln bildet.
Schwedischer Efeu (Plectranthus verticillatus): wurzelt leicht aus Stängelstecklingen, braucht aber regelmäßig frisches Wasser, damit das Glas nicht trüb und sauerstoffarm wird.
Begonien und gemusterte Zimmerpflanzen
Einige Begonien und gemusterte Zimmerpflanzen können im Wasser wurzeln, brauchen aber saubereres Arbeiten als robuste Rankpflanzen. Ihre fleischigen Stängel und Blattstiele können faulen, wenn Blätter im Wasser stehen oder das Wasser zu lange stagniert.
Rohrbegonien (Begonia spp.): Stängelstecklinge können im Wasser wurzeln, wenn der Knoten unter Wasser steht und alle Blätter oberhalb der Wasserlinie bleiben.
Rhizombegonien (Begonia spp.): manche Typen wurzeln aus Blatt- oder Rhizomstücken, wobei ein luftiges Vermehrungssubstrat oft stabiler ist als Wasser.
Punktblatt (Hypoestes phyllostachya): weiche Triebspitzen wurzeln im Wasser, sollten aber ins Substrat gesetzt werden, bevor die Wurzeln lang und schwach werden.
Pflanzen mit Luftwurzeln
Luftwurzeln sind bei der Wasservermehrung hilfreich, weil sie bereits Gewebe besitzen, das auf Halt und Feuchtigkeit reagieren kann. Ein Steckling mit Luftwurzel startet oft schneller als ein nackter Knoten.
Monstera adansonii: Stecklinge mit Knoten und Luftwurzel wurzeln meist schneller und kommen mit dem Umsetzen besser zurecht.
Philodendron micans: dünne Triebe, viele Knoten und Luftwurzeln machen ihn zu einem starken Kandidaten für Wasservermehrung.
Viele kletternde Philodendren: juvenile Triebstecklinge wurzeln gut, wenn sie mindestens einen gesunden Knoten haben und warm stehen.
Warum diese Pflanzen im Wasser gut wurzeln
Mehr Knoten bedeuten mehr mögliche Wurzelstellen: jeder gesunde Knoten kann neue Wurzeln bilden.
Weiches Gewebe reagiert schneller: flexible, nicht verholzte Stängel stellen leichter auf Wurzelbildung um als harte Triebe.
Sie vertragen Feuchtigkeit besser: diese Pflanzen können lange genug im Wasser stehen, um zu wurzeln, ohne sofort zu kollabieren.
Gespeicherte Energie unterstützt den Start: ein Steckling mit ein paar gesunden Blättern kann weiter Photosynthese betreiben, während die Wurzeln entstehen.
Sukkulenten brauchen einen anderen Ablauf: trockene Schnittstellen, luftiges Substrat und vorsichtige Feuchtigkeit statt untergetauchter Blätter oder Stängel.
3. Pflanzen, die im Wasser nicht gut funktionieren
Wasservermehrung ist hilfreich, aber nicht universell. Manche Pflanzen faulen im Wasser, weil ihr Gewebe eher an Trockenheit, Speicherung oder verholztes Wachstum angepasst ist als an dauerhafte Nässe. Wenn Methode und Pflanzenstruktur zusammenpassen, vermeidest du die meisten Ausfälle schon vor dem ersten Schnitt.
Sukkulenten und Kakteen
Sukkulenten und Kakteen speichern Wasser in Blättern, Stängeln oder Sprossen. Geldbaum, Echeveria, Kalanchoe, viele Euphorbien und die meisten Kakteen sind in einem trockenen, luftigen Vermehrungssetup deutlich besser aufgehoben. Untergetauchtes Sukkulentengewebe kann aufquellen, weich werden, aufreißen und faulen, bevor überhaupt Wurzeln entstehen.
Bessere Methode:
Lass die Schnittfläche ein paar Tage antrocknen und vernarben, bevor du den Steckling in eine grobe, sehr durchlässige Mischung setzt. Bims, Perlite, mineralischer Splitt und kakteentaugliche Substrate sind besser geeignet als ein Glas Wasser. Halte die Feuchtigkeit sehr sparsam, bis Wurzeln entstehen.
Verholzte und halbverholzte Triebe
Kroton, Hibiskus, Zitruspflanzen, viele Ficus-Arten und andere verholzte oder halbverholzte Pflanzen haben festere Stängel, die langsamer wurzeln. In stehendem Wasser kann die Schnittstelle abbauen, bevor Wurzeln entstehen. Diese Pflanzen brauchen meist Luft an der Basis, stabile Luftfeuchtigkeit, Wärme und ein Vermehrungssubstrat, das gut abläuft.
Bessere Methode:
Nutze ein feuchtes, aber luftiges Vermehrungssubstrat, gleichmäßige Luftfeuchtigkeit und sanfte Wärme. Bei manchen verholzten Pflanzen ist Abmoosen oder Absenken zuverlässiger als Wasservermehrung.
Zwiebel-, Knollen- und Rhizompflanzen
Ritterstern, Kaladien, Alocasia mit kleinen Speicherknöllchen und andere Pflanzen mit Speicherorganen werden nicht über gewöhnliche Stängelstecklinge im Wasser vermehrt. Ihr Wachstum hängt von Zwiebeln, Knollen, Rhizomen oder anderen Speicherorganen ab, und diese können geschwächt werden oder faulen, wenn sie zu lange nass stehen.
Bessere Methode:
Vermehre sie je nach Pflanzentyp über Teilung, Tochterzwiebeln, Brutknöllchen, Zwiebeln oder Knollenstücke. Setze jedes Speicherorgan in der passenden Tiefe für die jeweilige Gattung. Hippeastrum-Zwiebeln werden zum Beispiel meist so gepflanzt, dass der obere Teil der Zwiebel sichtbar bleibt, während Kaladienknollen und Alocasia-Speicherknöllchen anders behandelt werden.
Warum ungeeignete Pflanzen im Glas scheitern
Fäulnis beginnt meist, wenn untergetauchtes Gewebe nicht genug Sauerstoff bekommt. Weiche, wasserfreundliche Rankpflanzen vertragen vorübergehende Nässe besser, während Sukkulentengewebe, verholzte Stängel, Zwiebeln, Speicherknöllchen und Knollen in stehendem Wasser schneller bakteriell oder pilzlich abbauen.
Einige an nasse Standorte angepasste Pflanzen können schwammiges Aerenchym bilden, das Sauerstoff im Inneren weiterleitet. Die meisten gängigen Zimmerpflanzen-Stecklinge verlassen sich aber nicht stark genug auf diese Strategie, um schmutziges, sauerstoffarmes Wasser problemlos zu vertragen. Frisches Wasser, saubere Werkzeuge und die richtige Pflanzenwahl sind wichtiger als jeder Trick.
4. Schnellübersicht: Pflanzen für Wasservermehrung
Nutze diese Tabelle als schnelle Orientierung. Sie ersetzt keine pflanzenspezifische Pflege, hilft dir aber, die passende Methode zu wählen, bevor du einen Steckling schneidest.
Kategorie
Deutscher oder gängiger Name
Botanischer Name
Beste Methode und Hinweise
Wasserfreundlich
Efeutute
Epipremnum aureum
Stängelstecklinge wurzeln leicht aus Knoten; bei guten Bedingungen oft nach 1–2 Wochen.
Herzblatt-Philodendron
Philodendron hederaceum
Weiche Stängel und viele Knoten machen Wasservermehrung zuverlässig.
Syngonium
Syngonium podophyllum
Stecklinge mit einem Knoten funktionieren gut; sehr große Blätter bei Bedarf einkürzen.
Buntnessel
Plectranthus scutellarioides
Wurzelt aus weichen Triebspitzen bei Wärme sehr schnell.
Schwedischer Efeu
Plectranthus verticillatus
Wurzelt leicht; profitiert von häufigen Wasserwechseln.
Rohr- und Rhizombegonien
Begonia spp.
Im Wasser möglich, aber anfälliger für Fäulnis als Efeutute oder Philodendron.
Tradescantia
Tradescantia zebrina, Tradescantia fluminensis
Schnell wurzelnde Triebe; mehrere Stecklinge ergeben zusammen einen volleren Topf.
Monstera adansonii
Monstera adansonii
Stecklinge mit Knoten und Luftwurzel starten meist schneller.
Samt-Philodendron
Philodendron micans
Wurzelt gut aus Knotenstecklingen; ins Substrat setzen, bevor sich die Wurzeln verheddern.
Nicht fürs Wasserglas empfohlen
Geldbaum
Crassula spp.
Besser antrocknen lassen und in trockenem, sehr durchlässigem Substrat bewurzeln.
Echeveria
Echeveria spp.
Blätter und Rosetten faulen leicht, wenn sie unter Wasser stehen.
Kalanchoe
Kalanchoe spp.
Wasserspeichernde Blätter brauchen eine trockene Schnittstelle und nur leichte Feuchtigkeit.
Kakteen
Verschiedene Gattungen
In grobem, trocken bis leicht feuchtem mineralischem Substrat bewurzeln, nicht in stehendem Wasser.
Kroton
Codiaeum variegatum
Verholzte Triebe wurzeln besser mit luftigem Medium, Wärme und Luftfeuchtigkeit.
Hibiskus
Hibiscus spp.
Meist zuverlässiger in Vermehrungssubstrat als im Wasser.
Ficus-Arten
Ficus spp.
Können aus Stecklingen wurzeln, aber Wasser ist bei verholzten Trieben nicht die zuverlässigste Methode.
Zitruspflanzen
Citrus spp.
Brauchen Wärme, Luftfeuchtigkeit und gut belüftetes Substrat; Wassergläser sind unzuverlässig.
Ritterstern
Hippeastrum spp.
Über Tochterzwiebeln oder Zwiebelteilung vermehren, nicht über Stängelstecklinge im Wasser.
Kaladie
Caladium spp.
Über Knollen vermehren; längere Nässe während der Lagerung vermeiden.
Alocasia
Alocasia spp.
Je nach Pflanze und Wachstumsstadium über Speicherknöllchen, Teilung oder Ableger vermehren.
Wenn eine Pflanze in der nicht empfohlenen Gruppe steht, lass das Glas weg und wähle eine Methode, die zu ihrer Struktur passt. Damit vermeidest du viele Ausfälle, bevor sie überhaupt entstehen.
Wasserwurzeln sehen je nach Pflanze unterschiedlich aus: Manche bleiben dünn und glatt, andere verzweigen sich stärker, bevor sie eingetopft werden.
5. Wurzelbildung und Pflanzenhormone
Ein Steckling kann tagelang unverändert aussehen, obwohl im Inneren viel passiert. Der geschnittene Stängel muss die Verletzung schließen, Ressourcen umlenken und aus Zellen, die vorher keine Wurzeln waren, neues Wurzelgewebe bilden.
Die drei Phasen der Adventivwurzelbildung
Induktion: Der Steckling reagiert auf den Schnitt. Zellen in der Nähe der Wunde und des Knotens erhalten Stresssignale und werden fähig, Wurzeln zu bilden. Sichtbar ist in dieser Phase noch nichts.
Initiation: Im Stängel entstehen winzige Wurzelanlagen. Gespeicherte Zucker, Wasser, Sauerstoff und Pflanzenhormone beeinflussen, wie kräftig diese Phase verläuft.
Ausbildung: Die Wurzelanlagen verlängern sich, verbinden sich mit dem Leitgewebe des Stängels und brechen als sichtbare helle Wurzeln durch die Oberfläche.
Das wichtigste Hormon in diesem Prozess ist Auxin. Nach dem Schnitt sammelt sich Auxin häufig im Bereich von Wunde und Knoten und unterstützt dort die Wurzelbildung. Viele weichstielige Zimmerpflanzen produzieren selbst genug Auxin, weshalb Efeutute, Philodendron, Syngonium, Buntnessel und Tradescantia oft ohne zusätzliche Bewurzelungshilfe wurzeln.
Warum Wasserwurzeln anders aussehen
Wurzeln, die im Wasser entstehen, sind an dauerhafte Feuchtigkeit angepasst. Im Vergleich zu Wurzeln aus Erde oder Substrat haben sie oft:
weniger feine Wurzelhaare
eine glattere Oberfläche
anfangs weniger Verzweigungen
empfindlicheres Gewebe beim Umsetzen
Deshalb müssen bewurzelte Stecklinge vorsichtig behandelt werden, wenn sie ins Substrat ziehen. Ein grober Griff kann junge Wurzeln abbrechen, während trockenes Substrat Wasserwurzeln stresst. Leicht feuchtes, luftiges Substrat gibt ihnen die beste Chance, sich umzustellen.
Sauerstoff ist oft der unterschätzte Faktor
Stehendes Wasser kann sauerstoffarm werden, besonders in warmen Räumen, engen Gläsern oder dicht bepflanzten Gefäßen. Sinkt der Sauerstoffgehalt, verlangsamt sich die Wurzelbildung und Fäulniserreger haben leichteres Spiel. Frische Wasserwechsel erfüllen drei Aufgaben gleichzeitig: Sie bringen Sauerstoff zurück, verdünnen Abbauprodukte und reduzieren bakterielle Beläge.
Wechsle bei den meisten Stecklingen alle 3–7 Tage das Wasser. Nutze den kürzeren Abstand bei Begonien, Buntnesseln, warmen Räumen, eng stehenden Stecklingen oder jedem Glas, das schnell trüb wird. Robuste Efeututen- oder Philodendron-Stecklinge in sauberen Gläsern kommen oft näher an einmal pro Woche heran.
Bewurzelungshormon: wann es hilft und wann nicht
Bewurzelungshormon kann bei manchen langsamen oder halbverholzten Stecklingen helfen, ist aber bei den meisten leicht im Wasser wurzelnden Zimmerpflanzen nicht nötig. Zu viel Pulver kann das Wasser außerdem trüben.
Sinnvoll bei: langsameren Stecklingen, halbverholztem Material oder Pflanzen, die schon einmal schlecht gewurzelt haben.
Meist unnötig bei: Efeutute, Herzblatt-Philodendron, Syngonium, Buntnessel, Tradescantia und anderen schnell wurzelnden weichen Trieben.
So verwendest du es: nur die Schnittstelle eintauchen, überschüssiges Pulver abklopfen und das Glas sauber halten. Wenn ein Steckling starke Unterstützung braucht, ist Bewurzelung in luftigem Substrat oft zuverlässiger als Wasser.
Andere Pflanzenhormone einfach erklärt
Auxin ist das wichtigste Hormon für Wurzelbildung, arbeitet aber nicht allein. Andere Pflanzenhormone beeinflussen, ob ein Steckling eher Wurzeln, Triebe oder längeres Stängelwachstum bildet.
Mehr Auxin im Verhältnis zu Cytokinin: fördert Wurzelbildung.
Mehr Cytokinin im Verhältnis zu Auxin: fördert eher Triebwachstum.
Hohe Gibberellin-Aktivität: kann Stängelstreckung begünstigen und bei manchen Stecklingen die Wurzelbildung bremsen.
Für die Vermehrung zu Hause bedeutet das nicht, dass du Pflanzenhormone aktiv steuern musst. Es erklärt nur, warum gesunde Stecklinge, gutes Licht, frisches Wasser und richtiges Timing so wichtig sind. Ein Steckling mit genug gespeicherter Energie und einem sauberen Knoten erledigt den größten Teil der Arbeit selbst.
Sauberes Werkzeug macht einen Unterschied. Ein frischer Schnitt gibt neuen Wurzeln bessere Startbedingungen als gequetschtes oder verunreinigtes Gewebe.
6. Stecklinge vorbereiten und schneiden
Gute Vermehrung beginnt, bevor der Steckling ins Wasser kommt. Ein sauberer Schnitt von gesundem Wachstum wurzelt schneller, bleibt widerstandsfähiger gegen Fäulnis und kommt später besser mit dem Umzug ins Substrat zurecht.
Gesundes, aktives Wachstum auswählen
Wähle einen Stängel, der fest, gut versorgt und frei von Schädlingen oder Krankheitssymptomen ist. Der beste Steckling hat mindestens einen klaren Knoten; zwei oder drei Knoten sind bei vielen rankenden Pflanzen noch besser.
Lass weiche, zusammengesackte oder gelbliche Stängel stehen.
Vermeide alte, verholzte Abschnitte, wenn du keine Methode für verholzte Stecklinge nutzt.
Wähle möglichst halbreifes Wachstum: nicht ganz frisch und weich, aber auch noch nicht verhärtet.
Die richtige Stecklingsgröße wählen
Für die meisten rankenden und weichstieligen Zimmerpflanzen ist ein Steckling von etwa 10–15 cm Länge praktisch. Er ist lang genug für Knoten und Blätter, aber nicht so groß, dass er schneller Wasser verliert, als er sich stabilisieren kann.
Zu viele Blätter: mehr Verdunstung und schnelleres Welken.
Zu wenige Blätter: weniger Photosynthese als Energiequelle für die Wurzelbildung.
Guter Mittelweg: zwei bis drei gesunde Blätter bei vielen gängigen Zimmerpflanzen-Stecklingen.
Werkzeug vor dem Schneiden desinfizieren
Nutze scharfe Schere, Pflanzenschere oder Gartenschere. Reinige die Klingen vor dem Schnitt mit 70% Isopropylalkohol oder einer frisch angesetzten verdünnten Bleichlösung. Ein scharfer, sauberer Schnitt reduziert gequetschtes Gewebe und senkt das Risiko, dass Bakterien oder Pilze in den Stängel gelangen.
Knapp unter einem Knoten schneiden
Setze den Schnitt knapp unter einem Knoten, idealerweise leicht schräg. Der Knotenbereich enthält Gewebe, das neue Wurzeln bilden kann, und ein sauberer schräger Schnitt ermöglicht Wasserkontakt an der Basis, ohne eine unnötig große verletzte Fläche zu hinterlassen.
Bei Stecklingen mit nur einem Knoten sollte unterhalb des Knotens ein kleines Stück Stängel bleiben, damit der Knoten selbst nicht beschädigt wird. Bei Stecklingen mit mehreren Knoten sollte mindestens ein Knoten unter Wasser stehen, während die Blätter oberhalb der Wasserlinie bleiben.
Untere Blätter entfernen
Alles, was später im Wasser stehen würde, muss weg. Untergetauchte Blätter faulen schnell und fördern Bakterien im Glas. Das ist einer der häufigsten Gründe für trübes Wasser und weiche Stängel.
Bei Pflanzen mit großen Blättern, etwa Syngonium oder Monstera, kann es helfen, die Blattfläche zu reduzieren. Schneide einen Teil der Blattspreite zurück, statt jedes Blatt zu entfernen. Der Steckling braucht noch genug Blattfläche für Photosynthese.
Stark saftende Stecklinge kurz abtrocknen lassen
Manche Pflanzen geben nach dem Schnitt klebrigen oder milchigen Saft ab. Warte, bis der starke Saftfluss nachlässt, bevor du den Steckling ins Wasser stellst, und wische den Stängel bei Bedarf vorsichtig ab. Vermeide Haut- und Augenkontakt mit reizendem Pflanzensaft, besonders bei Pflanzen wie Ficus, Euphorbia und Dieffenbachia.
Zum richtigen Zeitpunkt schneiden
Stecklinge wurzeln am besten, wenn die Mutterpflanze aktiv wächst und gut mit Wasser versorgt ist. Bei vielen tropischen Zimmerpflanzen in Innenräumen liefert die Zeit von spätem Frühjahr bis frühem Herbst die stärkste natürliche Wachstumsphase. Schneide keine Stecklinge direkt nach dem Umtopfen, nach starkem Wassermangel, während eines Schädlingsbefalls oder von einer Pflanze, die bereits sichtbar schwächelt.
Ein Schnitt knapp unter dem Knoten gibt dem Steckling Zugang zu dem Gewebe, aus dem am ehesten neue Wurzeln entstehen.
7. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Wasservermehrung
Sobald der Steckling vorbereitet ist, entscheiden ein paar einfache Faktoren darüber, ob er sauber wurzelt oder zu faulen beginnt: Gefäß, Wasserqualität, Licht, Wärme und Hygiene.
1. Ein sauberes Gefäß wählen
Ein klares Glas macht es leicht, Wurzeln, Wassertrübung und erste Fäulniszeichen zu beobachten. Wasche das Gefäß vor der Nutzung gründlich aus, besonders wenn vorher Lebensmittel, Schnittblumen oder altes Vermehrungswasser darin waren.
Klares Glas: ideal, um die Wurzelentwicklung zu beobachten.
Getöntes Glas: hilfreich, wenn sich immer wieder Algen bilden.
Schmaler Hals: hält Stängel leichter aufrecht.
Breite Öffnung: erleichtert Reinigung und verbessert den Luftaustausch.
Vermeide Kupfergefäße oder Metallgefäße, die Stoffe ans Wasser abgeben können. Junge Wurzeln reagieren empfindlich auf solche Belastungen.
2. Frisches Wasser mit Zimmertemperatur einfüllen
Für die meisten Zimmerpflanzen reicht sauberes Leitungswasser mit Zimmertemperatur. Wenn dein Leitungswasser stark nach Chlor riecht, kann es helfen, es 24 Stunden stehen zu lassen. Bei sehr hartem, stark behandeltem Wasser oder deutlichen Kalkrändern kann gefiltertes Wasser für empfindliche Stecklinge schonender sein.
Mindestens ein Knoten sollte unter Wasser stehen.
Blätter bleiben oberhalb der Wasserlinie.
Fülle das Glas nicht so hoch, dass Blattstiele oder Blattansätze nass bleiben.
3. Den Steckling stützen, ohne ihn zu quetschen
Der Knoten muss unter Wasser bleiben, aber der Steckling sollte nicht in eine zu enge Öffnung gedrückt werden, die den Stängel verletzt. Wenn er kippt, nutze eine sanfte Stütze.
einen Netzdeckel
eine Stecklingsscheibe
einen Blumenigel
einen locker gebogenen weichen Draht oberhalb der Wasserlinie
4. Hell, aber ohne direkte Sonne platzieren
Helles, indirektes Licht hilft dem Steckling bei der Photosynthese, während Wurzeln entstehen. Direkte Sonne auf das Glas solltest du vermeiden, besonders bei warmem Wetter. Sonne auf dem Glas kann das Wasser schnell erhitzen, Gewebe stressen und Algen fördern.
Ein Platz nahe an einem hellen Fenster, aber ohne harte direkte Mittagssonne, ist meistens ideal. Wenn neues Wachstum schwach und lang wird oder die Wurzelbildung sehr langsam bleibt, braucht der Steckling eventuell mehr Licht. Wenn sich das Wasser stark erwärmt oder Algen schnell wachsen, steht das Glas wahrscheinlich zu exponiert.
5. Wasser wechseln, bevor es trüb wird
Wechsle das Wasser alle 3–7 Tage. Bei fäulnisanfälligen Stecklingen, warmen Räumen oder dicht stehenden Gläsern nimm den kürzeren Abstand. Robuste Efeututen- oder Philodendron-Stecklinge in einem sauberen Glas kommen oft mit etwa einmal pro Woche aus.
Jeder Wasserwechsel hilft dabei:
Sauerstoff zu erneuern
Bakterien und Biofilm zu reduzieren
Algenwachstum zu bremsen
Reste von abbauendem Blatt- oder Stängelgewebe zu entfernen
Wenn das Glas säuerlich riecht, sich schleimig anfühlt oder kurz nach dem Wasserwechsel wieder trüb wird, wasche das Gefäß aus und kontrolliere den Steckling. Fülle nicht immer nur altes Wasser nach.
6. Wurzelentwicklung beobachten
Schnell wurzelnde Pflanzen können innerhalb von ein bis zwei Wochen kleine weiße Verdickungen zeigen. Langsamere Pflanzen brauchen mehrere Wochen, besonders in kühleren Räumen.
Gesunde Wurzeln: cremeweiß bis weiß, fest, frisch wirkend und mit der Zeit verzweigt.
Bei den meisten kleinen bis mittelgroßen Zimmerpflanzen-Stecklingen ist der richtige Zeitpunkt erreicht, wenn die Wurzeln etwa 2,5–5 cm lang sind und anfangen, sich zu verzweigen. Größere Stecklinge, etwa von Monstera, brauchen eventuell ein etwas kräftigeres Wurzelsystem, sollten aber nicht im Wasser bleiben, bis die Wurzeln lang, brüchig oder verheddert sind.
Sehr lange Wasserwurzeln sehen im Glas eindrucksvoll aus, lassen sich aber schwerer unverletzt einpflanzen. Kurze, aktive, leicht verzweigte Wurzeln gewöhnen sich meist besser um.
Ideale Bedingungen für Wasservermehrung
Nutze diese Werte als praktische Orientierung. Raumklima, Zustand der Pflanze, Jahreszeit und Lichtmenge beeinflussen den genauen Verlauf.
Pflanze
Licht
Temperatur
Wasserwechsel
Hinweise
Efeutute (Epipremnum aureum)
Hell, indirekt
21–27 °C
Alle 5–7 Tage
Sehr unkompliziert; wurzelt oft in 1–2 Wochen.
Herzblatt-Philodendron (Philodendron hederaceum)
Hell, indirekt
21–27 °C
Alle 5–7 Tage
Viele Knoten machen Stängelstecklinge zuverlässig.
Syngonium (Syngonium podophyllum)
Hell, indirekt
21–27 °C
Alle 5 Tage
Große Blätter können eingekürzt werden, um Wasserverlust zu senken.
Buntnessel (Plectranthus scutellarioides)
Hell, indirekt
21–27 °C
Alle 3–5 Tage
Wurzelt schnell, aber weiche Stängel brauchen sauberes Wasser.
Schwedischer Efeu (Plectranthus verticillatus)
Hell, indirekt
21–27 °C
Alle 3–5 Tage
Wasser wechseln, bevor Stängel weich werden.
Rohrbegonien (Begonia spp.)
Hell, indirekt
21–25 °C
Alle 3–5 Tage
Fäulnisanfälliger; Blätter und Blattstiele über Wasser halten.
Ein Knoten mit Luftwurzel startet meist schneller.
Samt-Philodendron (Philodendron micans)
Hell, indirekt
21–27 °C
Alle 5 Tage
Einpflanzen, bevor feine Wurzeln sich verheddern.
Kühlere Räume verlangsamen die Wurzelbildung. Sehr warme Räume können Bakterienwachstum beschleunigen. Gleichmäßige Wärme, sauberes Wasser und helles indirektes Licht bringen meist bessere Ergebnisse als starke Sonne oder ständiges Herumprobieren.
Kurze, helle, feste und leicht verzweigte Wurzeln lassen sich meist besser eintopfen als lange, verhedderte Wasserwurzeln.
8. Vom Wasser ins Substrat umsetzen
Der Umzug vom Wasser ins Substrat ist der Moment, in dem viele eigentlich gute Stecklinge Probleme bekommen. Wasserwurzeln sind an dauerhafte Feuchtigkeit und wenig Widerstand gewöhnt. Substratwurzeln müssen sich zwischen Partikeln, Lufträumen und wechselnder Feuchtigkeit zurechtfinden. Ein sanfter Übergang gibt dem Steckling Zeit, sich anzupassen.
Wann du umtopfen solltest
Wurzellänge: Bei den meisten Zimmerpflanzen-Stecklingen sind etwa 2,5–5 cm lange Wurzeln ideal.
Wurzelverzweigung: etwas Verzweigung ist hilfreich, aber die Wurzeln sollten noch keinen dichten Knoten bilden.
Wurzelstruktur: gesunde Wasserwurzeln sind hell und fest, nicht braun, schleimig oder hohl.
Blattzustand: mindestens ein gesundes Blatt sollte bleiben, damit der Steckling nach dem Einpflanzen weiter Photosynthese betreiben kann.
Den richtigen Topf wählen
Nutze einen kleinen Topf mit Abzugslöchern. Der Topf sollte nur etwas größer sein als die Wurzelmasse. Zu große Töpfe bleiben rund um die empfindlichen neuen Wurzeln zu lange nass, was Fäulnis begünstigt.
Kleiner Steckling: lieber einen kleinen Anzucht- oder Kulturtopf verwenden als einen übergroßen Ziertopf.
Mehrere Stecklinge: mehrere bewurzelte Stecklinge können zusammen in einen Topf, solange die Wurzeln nicht zu eng gequetscht werden.
Drainage: überschüssiges Wasser muss immer aus dem Wurzelbereich ablaufen können.
Ein luftiges Substrat verwenden
Eine leichte, luftige Mischung hilft Wasserwurzeln beim Umstellen, weil sie Feuchtigkeit hält, ohne luftlos zu werden. Die genaue Mischung hängt von der Pflanzenart ab, aber das Ziel bleibt gleich: gleichmäßige Feuchtigkeit plus Sauerstoff an den Wurzeln.
Für viele tropische Zimmerpflanzen: eine leichte Zimmerpflanzenmischung mit Perlite oder Bims ergänzen.
Für kletternde Aronstabgewächse: Orchideenrinde, Kokoschips oder eine andere grobe Komponente für mehr Luft einarbeiten.
Für feuchtigkeitsempfindliche Stecklinge: rund um kleine Wurzeln nicht zu grob werden, aber trotzdem gut durchlässig bleiben.
Dünge nicht direkt nach dem Umsetzen. Warte etwa 2–3 Wochen oder bis der Steckling stabil neues Wachstum zeigt. Frische Wasserwurzeln können empfindlich auf zu viele gelöste Salze reagieren.
So setzt du den Steckling um
Substrat vorfeuchten: Es sollte feucht sein, aber nicht nass.
Pflanzloch vorbereiten: Drücke empfindliche Wurzeln nicht durch dichtes Substrat.
Steckling vorsichtig herausnehmen: Stängel stützen und Wurzeln ohne scharfes Knicken ins Pflanzloch führen.
Knoten richtig setzen: Der bewurzelte Knoten sitzt je nach Stecklingsform knapp unter oder auf Höhe der Substratoberfläche.
Leicht andrücken: Luftlöcher um die Wurzeln schließen, ohne das Substrat fest zu verdichten.
Sanft angießen: Substrat setzen lassen und überschüssiges Wasser ablaufen lassen.
Pflege in den ersten zwei Wochen
Halte das Substrat während der Umstellung gleichmäßig leicht feucht, aber nicht nass. Die oberen 2–3 cm dürfen vor dem nächsten Gießen leicht antrocknen. Helles, indirektes Licht und stabile Wärme helfen dem Steckling, Wasserwurzeln durch Wurzeln zu ersetzen, die besser an Substrat angepasst sind.
Vermeide harte direkte Sonne während der Umstellung.
Achte auf moderate Luftfeuchtigkeit, besonders bei dünnblättrigen Pflanzen.
Topfe nicht sofort wieder um, außer es zeigt sich Fäulnis.
Eine kurze Pause beim Blattwachstum ist nach dem Umsetzen normal.
Einige Wasserwurzeln können nach dem Umzug absterben. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Steckling verloren ist. Neue, substrattaugliche Wurzeln können entstehen, wenn der Stängel fest bleibt, der Knoten gesund ist und das Substrat leicht feucht statt nass und luftarm bleibt.
Bräunliche Wurzeln können auf altes Wasser, Sauerstoffmangel, bakterielle Beläge oder zu lange Standzeit im Wasser hinweisen.
9. Häufige Probleme bei der Wasservermehrung lösen
Die meisten Probleme bei der Wasservermehrung lassen sich früh leichter beheben. Trübes Wasser, weiche Stängel, Algen und langsame Wurzeln zeigen meist, dass Hygiene, Sauerstoff, Wärme, Licht oder Pflanzenwahl nicht ganz passen. Wenn du unsicher bist, ob bereits Fäulnis im Spiel ist, hilft dir auch unser Leitfaden zu Wurzelfäule bei Zimmerpflanzen.
Problem
Wahrscheinliche Ursachen
Was du tun kannst
Stängel wird braun oder matschig
Fäulnis durch untergetauchte Blätter, schmutziges Werkzeug, sauerstoffarmes Wasser oder einen geschwächten Steckling.
Bis ins feste, gesunde Gewebe zurückschneiden und sterile Werkzeuge verwenden. Glas waschen, Wasser ersetzen, untergetauchte Blätter entfernen und nur den Knoten unter Wasser halten. Wenn der Stängel bis durch den Knoten weich ist, den Steckling entsorgen.
Wasser wird schnell trüb
Bakterien, faulendes Pflanzengewebe, zu viel Bewurzelungspulver oder ein schmutziges Gefäß.
Glas gründlich reinigen, Steckling abspülen, beschädigtes Gewebe entfernen und frisches Wasser einfüllen. Wasser häufiger wechseln, bis es klar bleibt.
Wurzeln bilden sich sehr langsam
Zu wenig Licht, niedrige Temperaturen, altes Wachstum, langsam wurzelnde Pflanzenart oder ein Steckling ohne brauchbaren Knoten.
Heller, aber indirekt stellen, Temperaturen um 21–27 °C halten und prüfen, ob der Knoten unter Wasser steht. Wenn der Steckling verholzt oder für Wasser ungeeignet ist, auf Vermehrungssubstrat wechseln.
Algen wachsen im Glas
Zu viel Licht direkt auf das Wasser, warme Bedingungen oder organische Reste im Gefäß.
Gefäß reinigen, frisches Wasser einfüllen und das Glas aus direkter Sonne nehmen. Wenn Algen schnell zurückkommen, getöntes Glas oder eine blickdichte Hülle nutzen, während der Steckling weiterhin hell und indirekt steht.
Blätter welken
Zu viel Blattfläche, schwacher Steckling, Hitzestress oder noch zu wenig Wurzeln für die Versorgung des oberen Triebs.
Sehr große Blätter einkürzen, den Steckling warm, aber nicht heiß stellen, und direkte Sonne vermeiden. Mindestens ein gesundes Blatt sollte für die Photosynthese bleiben.
Blätter werden gelb
Natürliches Abwerfen älterer Blätter, Fäulnis, zu wenig Licht oder Stress nach dem Schnitt.
Zuerst Stängelbasis und Wurzeln prüfen. Wenn sie fest sind, gelbes Blatt entfernen und weiter beobachten. Wenn Wurzeln matschig sind oder der Stängel säuerlich riecht, zurückschneiden und mit sauberem Wasser neu starten.
Wurzeln werden nach dem Einpflanzen schwarz
Zu viel Wasser, zu schweres Substrat, zu großer Topf oder plötzlicher Wechsel von Wasser in trockenes Substrat.
Kleineren Topf und luftiges Substrat verwenden. Während der Umstellung leicht feucht halten, aber nie vernässen. Eingefallene Wurzeln nur entfernen, wenn sich Fäulnis ausbreitet.
Steckling bildet Blätter, aber keine Wurzeln
Gespeicherte Energie treibt Blattwachstum an, während der Knoten noch nicht wurzelt. Hohe Wärme und wenig Licht können neues Wachstum strecken, bevor Wurzeln entstehen.
Mehr helles indirektes Licht geben, Wasser frisch halten und nicht düngen. Wenn nach mehreren Wochen keine Wurzeln entstehen, prüfen, ob der Steckling wirklich einen Knoten hat.
Eine einfache Gewohnheit, die wirklich hilft
Beschrifte Gläser mit Pflanzenname und Schnittdatum, besonders wenn du mehrere Pflanzen gleichzeitig bewurzelst. Notiere Wasserwechsel und Wurzelzeitpunkt. Nach ein paar Durchgängen erkennst du Muster: welche Pflanzen bei dir am schnellsten wurzeln, welche Gläser öfter gereinigt werden müssen und welche Plätze die kräftigsten Wurzeln bringen.
Luftwurzeln können Monstera-Stecklingen einen besseren Start geben, aber auch hier braucht der Knoten sauberes Wasser, Wärme und Zeit.
10. Fazit und wichtigste Punkte
Wasservermehrung funktioniert am besten, wenn die Methode zur Pflanze passt. Weichstielige, knotige Zimmerpflanzen wurzeln im Glas oft sauber, weil sie aus Stängelgewebe Adventivwurzeln bilden können. Sukkulenten, Kakteen, verholzte Triebe, Zwiebeln, Speicherknöllchen und Knollen brauchen meist trockenere, luftigere oder teilungsbasierte Methoden.
Die besten Ergebnisse entstehen durch einfache, konsequente Pflege: ein gesunder Steckling, ein echter Knoten, sauberes Werkzeug, frisches Wasser, helles indirektes Licht und der richtige Zeitpunkt fürs Umsetzen. Sobald die Wurzeln kurz, hell, fest und leicht verzweigt sind, kann der Steckling in einen kleinen Topf mit luftigem, leicht feuchtem Substrat ziehen.
Das solltest du dir merken
Starte mit der passenden Pflanze: Efeutute, Philodendron, Syngonium, Buntnessel, Schwedischer Efeu, Tradescantia und viele weichstielige Rankpflanzen sind gute Kandidaten.
Ein Knoten ist Pflicht: Reine Blattstecklinge vieler rankender Pflanzen wachsen ohne Knoten nicht zu vollständigen neuen Pflanzen heran.
Halte das Wasser sauber: alle 3–7 Tage wechseln und Gläser auswaschen, wenn das Wasser trüb wird oder abgestanden riecht.
Nutze helles, indirektes Licht: genug Licht unterstützt Photosynthese, direkte Sonne kann Wasser erhitzen und Algen fördern.
Warte nicht zu lange mit dem Eintopfen: Wurzeln von etwa 2,5–5 cm lassen sich meist besser umsetzen als lange, verhedderte Wasserwurzeln.
Stimme das Substrat auf die Wurzelphase ab: kleiner Topf, Abzugslöcher und eine luftige Mischung, die während der Umstellung leicht feucht bleibt.
Bereit für deinen nächsten Steckling?
Schneide einen gesunden Steckling mit Knoten von einer wasserfreundlichen Zimmerpflanze, stelle den Knoten in frisches Wasser und halte das Glas sauber und hell. Sobald die Wurzeln fest und leicht verzweigt sind, setzt du den Steckling in ein luftiges Substrat und hältst ihn gleichmäßig leicht feucht, bis er sich eingewöhnt hat.
Für eine saubere Vermehrung brauchst du vor allem scharfes Schneidewerkzeug, kleine Gläser und ein gut durchlässiges Substrat für die Umstellung. Diese Grundlagen zählen mehr als komplizierte Tricks.
Feste, helle neue Wurzeln zeigen, dass der Steckling bereit für den nächsten Schritt ist: vorsichtiges Einpflanzen in einen kleinen Topf mit luftigem Substrat.
11. Glossar: wichtige Begriffe zur Wasservermehrung
Begriff
Erklärung
Adventivwurzeln
Wurzeln, die aus Stängeln, Blättern oder anderem Nicht-Wurzelgewebe entstehen. Stängelstecklinge in Wasser bilden diese Art von Wurzeln.
Aerenchym
Pflanzengewebe mit inneren Lufträumen, das bei nassen Bedingungen helfen kann, Sauerstoff durch Wurzeln oder Stängel zu transportieren.
Auxin
Pflanzenhormon, das an Wurzelanlage und Wurzelwachstum beteiligt ist. Synthetische Auxine kommen in vielen Bewurzelungshormonen vor.
Kallus
Getrocknete oder verheilte Oberfläche über einer Schnittwunde, besonders wichtig bei Sukkulenten- und Kaktusstecklingen vor dem Einpflanzen.
Cytokinin
Pflanzenhormon, das Zellteilung und Triebwachstum unterstützt. Ein höherer Cytokinin-Anteil im Verhältnis zu Auxin kann eher Triebe als Wurzeln fördern.
Gibberellin
Pflanzenhormon, das mit Stängelstreckung und Wachstum verbunden ist. Hohe Gibberellin-Aktivität kann bei manchen Stecklingen die Wurzelbildung verringern.
Meristematisches Gewebe
Gewebe aus aktiv teilenden Zellen. Knoten, Knospen und Wurzelspitzen enthalten meristematische Bereiche.
Knoten
Stelle am Stängel, an der Blätter, Knospen, Luftwurzeln, Seitentriebe oder Wurzeln entstehen können. Die meisten rankenden Zimmerpflanzen brauchen einen Knoten, um zu einer neuen Pflanze heranzuwachsen.
Photosynthese
Prozess, bei dem Pflanzen Licht, Wasser und Kohlendioxid in Zucker umwandeln, der Wachstum ermöglicht.
Primordien
Winzige frühe Anlagen im Pflanzengewebe, aus denen Wurzeln, Triebe oder Blätter entstehen können.
Wurzelhaare
Feine Ausstülpungen an Wurzeln, die Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Wasserwurzeln haben oft weniger Wurzelhaare als Wurzeln aus Substrat.
Bewurzelungshormon
Produkt mit synthetischem Auxin, das bei manchen Stecklingen die Wurzelbildung anregen kann.
Halbverholzter Stängel
Stängel, der bereits teilweise ausgehärtet, aber noch nicht vollständig verholzt ist. Solche Stecklinge wurzeln meist langsamer als weiche grüne Triebe.
Transpiration
Wasserverlust über kleine Öffnungen in den Blättern, die Stomata heißen. Zu viel Blattfläche kann dazu führen, dass ein Steckling welkt, bevor Wurzeln entstehen.
Wasserwurzeln
Wurzeln, die entstehen, während ein Steckling im Wasser steht. Sie sind oft glatter und empfindlicher als Wurzeln, die im Substrat gebildet werden.
12. Quellen und weiterführende Literatur
Ayi, Q., Zeng, B., Liu, J., Li, S., van Bodegom, P. M., & Cornelissen, J. H. C. (2016). Oxygen absorption by adventitious roots promotes the survival of completely submerged terrestrial plants. Annals of Botany, 118(4), 675–683. https://doi.org/10.1093/aob/mcw051
Druege, U., Hilo, A., Pérez-Pérez, J. M., Klopotek, Y., & Acosta, M. (2019). Molecular and physiological control of adventitious rooting in cuttings: Phytohormone action meets resource allocation. Annals of Botany, 123(6), 929–949. https://doi.org/10.1093/aob/mcy234
Zhou, Y., Wang, C., Tang, Q., Wang, M.-H., & Li, M.-H. (2024). Morphological responses of root hairs to changes in soil and climate depend on plant life form. Frontiers in Forests and Global Change, 7, Article 1324405. https://doi.org/10.3389/ffgc.2024.1324405
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