Botanische Umbenennungen: Warum deine Pflanze plötzlich anders heißt
Pflanzennamen können ganz schön nerven, wenn eine vertraute Pflanze plötzlich unter einer anderen Gattung auftaucht. Was jahrelang selbstverständlich wirkte, steht auf einmal anders auf Etiketten, in Datenbanken oder in Pflegeartikeln. Willkürlich ist das meistens nicht. In den meisten Fällen steckt dahinter der Versuch, die botanische Einordnung besser an die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen.
In diesem Ratgeber geht es um Namensänderungen, denen Zimmerpflanzenliebhaber, Sammlerinnen, Sammler, Händler und Pflanzenshops heute besonders häufig begegnen. Einige davon sind inzwischen in den wichtigsten taxonomischen Datenbanken weitgehend akzeptiert. Andere werden noch unterschiedlich behandelt. Genau deshalb kann dieselbe Pflanze je nach Datenbank, Etikett, Pflanzenshop oder Pflegeartikel unter zwei verschiedenen Gattungsnamen auftauchen.
1. Einleitung: Warum sind Pflanzennamen überhaupt wichtig?
Pflanzennamen sind wichtig, weil sie beeinflussen, wie wir nach Pflegeinformationen suchen, Pflanzen in Datenbanken vergleichen, Etiketten lesen und verstehen, was wir eigentlich kaufen. Eine neue Gattung macht Deine Pflanze nicht über Nacht zu einer anderen Pflanze. Sie kann aber verändern, welche Pflegeartikel, Herbarbelege, wissenschaftlichen Arbeiten und Produktseiten Du überhaupt findest.
Genau deshalb wirken botanische Namen im Alltag manchmal verwirrend. Eine Gärtnerei verwendet vielleicht noch den älteren Namen. Eine Datenbank nutzt schon den neueren. In Sammlungen tauchen oft beide auf. Das heißt nicht, dass sich die Pflanze selbst verändert hat. Es zeigt nur, dass Taxonomie, Gartenbau und Pflanzenhandel nicht immer im selben Tempo nachziehen.
Beispiele, die Dir im Pflanzenalltag begegnen können:
Calathea orbifolia wird heute meist als Goeppertia orbifolia behandelt.
Sansevieria trifasciata wird heute meist als Dracaena trifasciata behandelt.
Schefflera arboricola wird heute meist als Heptapleurum arboricola behandelt.
Homalomena wallisii wird heute meist als Adelonema wallisii behandelt.
Einige selbsttragende Arten, die lange unter Philodendron geführt wurden, erscheinen in manchen Datenbanken als Thaumatophyllum, aber nicht in allen.
Du musst nicht jedes Synonym auswendig lernen. Wichtiger ist zu verstehen, warum Namen sich ändern, welche Änderungen bereits weitgehend übernommen wurden und wie Du gezielt suchst, wenn ältere und neuere Namen nebeneinander auftauchen.
2. Warum sich botanische Klassifikation ändert
Lange wurden Pflanzen vor allem nach sichtbaren Merkmalen gruppiert: Blüten, Blätter, Früchte, Samen, Anatomie und Wuchsform. Diese Merkmale sind weiterhin wichtig. Moderne Taxonomie kombiniert Morphologie aber mit phylogenetischen Daten, vor allem DNA-Daten, um zu prüfen, ob eine Gattung tatsächlich eine gemeinsame evolutionäre Linie abbildet.
Wenn eine traditionelle Gattung mehrere nicht nah zusammengehörige Linien enthält, kann sie aufgeteilt werden. Wenn eine vermeintlich eigenständige Gattung innerhalb einer anderen Gattung liegt, kann sie eingegliedert werden. In manchen Fällen folgt eine Namensänderung zusätzlich den formalen Regeln der botanischen Nomenklatur, etwa Priorität, Typisierung und gültige Veröffentlichung.
Botanische Namensänderungen beruhen deshalb meist nicht auf einem einzelnen DNA-Ergebnis. In der Praxis entsteht eine neue Einordnung aus molekularen Daten, Morphologie, geografischer Verbreitung, Zytologie und nomenklatorischen Regeln.
Wichtige Gründe für Umklassifizierungen
Phylogenetische Daten
Sequenzdaten können zeigen, ob eine Gattung wirklich eine gemeinsame Linie umfasst oder aus mehreren nicht eng verwandten Gruppen besteht.
Breitere Stichproben
Neuere Studien beziehen oft deutlich mehr Arten ein als ältere Arbeiten. Dadurch werden versteckte Muster leichter sichtbar.
Morphologie bleibt wichtig
Gute taxonomische Revisionen ignorieren Pflanzenmerkmale nicht. Morphologie bleibt zentral für Diagnose, Vergleich und praktische Bestimmung.
Nomenklatorische Regeln
Auch wenn ein phylogenetisches Ergebnis klar ist, muss der akzeptierte Name den formalen Regeln der botanischen Namensgebung folgen.
Moderne Methoden hinter taxonomischen Änderungen
Taxonomie bewegt sich heute schneller, weil Forschende mehrere Gene über größere Artengruppen hinweg vergleichen, ältere Herbararbeit mit neuer Sequenzierung verbinden und öffentliche Checklisten schneller aktualisieren können.
Phylogenie mit mehreren Markern
Mehr als ein Marker verringert das Risiko, zu viel aus einem zu kleinen Datensatz abzuleiten.
Plastiden- und Kerndaten
Verschiedene Teile des Genoms können sich gegenseitig stützen oder infrage stellen und so ein genaueres Bild der Verwandtschaft liefern.
Globale Checklisten und Datenbanken
Datenbanken können neu veröffentlichte Namen und taxonomische Einordnungen heute schneller aufnehmen, auch wenn sie nicht alle im selben Tempo übernommen werden.
Verlässliche taxonomische Datenbanken
Wenn Du Pflanzennamen prüfst, hilft es zu wissen, welche Quelle wofür gedacht ist:
World Flora Online (WFO) – eine weitere große globale Datenbank, besonders nützlich, weil sie nicht immer exakt mit POWO übereinstimmt.
GBIF Backbone Taxonomy – sehr verbreitet und hilfreich, kann aber einer anderen akzeptierten Behandlung folgen als POWO oder WFO.
International Plant Names Index (IPNI) – wichtig für Autorennamen, Publikationsdetails und nomenklatorische Geschichte, aber für sich allein keine Quelle für akzeptierte Taxonomie.
Für den Alltag heißt das vor allem: veröffentlichte Namen, akzeptierte Namen, Synonyme und Handelsnamen sind nicht immer dasselbe. Ein Name kann gültig veröffentlicht und im Pflanzenhandel weit verbreitet sein, ohne in der jeweiligen Checkliste als akzeptierter Name geführt zu werden.
3. Wichtige Namensänderungen, die im Pflanzenhandel weiter auftauchen
Die folgenden Abschnitte konzentrieren sich auf Änderungen, die Pflanzenbesitzer tatsächlich auf Etiketten, in Online-Pflanzenshops, in älteren Pflegeartikeln und in aktuellen Datenbanken sehen. Einige sind inzwischen weitgehend etabliert. Andere werden noch unterschiedlich verwendet. Dieser Unterschied ist wichtig, wenn Du Produktseiten korrekt schreiben, eine Sammlungsliste bereinigen oder prüfen möchtest, ob zwei Namen dieselbe Pflanze meinen.
Thaumatophyllum und der Sonderfall Philodendron
Thaumatophyllum stenolobum zeigt eine der schwierigeren modernen Namensänderungen in der Zimmerpflanzentaxonomie: Die 2018 vorgeschlagene Überführung aus Philodendron wird von einigen Datenbanken verwendet, während andere diese selbsttragenden Arten weiterhin in Philodendron belassen.
Hier lohnt sich besondere Genauigkeit. Im Jahr 2018 schlugen Sakuragui, Calazans, Mayo und weitere Co-Autoren vor, Thaumatophyllum für die Gruppe anzuerkennen, die lange als Philodendron subg. Meconostigma behandelt wurde. Ihre Argumentation beruhte auf molekularen, morphologischen und zytologischen Daten.
Dieser Vorschlag ist real. Seine Übernahme ist aber nicht in allen großen öffentlichen taxonomischen Datenbanken einheitlich.
GBIF akzeptiert Kombinationen wie Thaumatophyllum bipinnatifidum und Thaumatophyllum xanadu.
POWO/WCVP und WFO führen dieselben Pflanzen derzeit weiterhin in Philodendron und behandeln die Thaumatophyllum-Namen als Synonyme.
Wenn Du also in einer Quelle Philodendron bipinnatifidum und in einer anderen Thaumatophyllum bipinnatifidum siehst, ist das nicht automatisch ein Fehler. Es spiegelt eine echte Abweichung in der übernommenen taxonomischen Einordnung wider.
Einige Datenbanken akzeptieren Thaumatophyllum bipinnatifidum, während andere dieselbe Pflanze weiterhin als Philodendron bipinnatifidum behandeln. Daran sieht man gut, warum eine Pflanze je nach verwendeter Datenbank berechtigt unter zwei verschiedenen Gattungsnamen auftauchen kann.
Namen, die Dir für dieselbe Gruppe begegnen können:
Für Pflanzenshops und Sammlungslisten ist es oft am sinnvollsten, beide Namen gemeinsam zu zeigen. So bleibt die Pflanze auffindbar, ohne die aktuelle Uneinigkeit zwischen den Datenbanken glattzubügeln.
Calathea und Goeppertia
Goeppertia orbifolia, früher bekannt als Calathea orbifolia, ist eines der bekanntesten Beispiele für eine ältere, aber im Zimmerpflanzenhandel weiterhin sehr relevante Namensänderung.
Die Änderung von Calathea zu Goeppertia ist eine der sichtbarsten Umklassifizierungen bei Zimmerpflanzen, auch wenn sie nicht mehr neu ist. Im Jahr 2012 zeigten Borchsenius, Suárez und Prince, dass die breite traditionelle Auffassung von Calatheapolyphyletisch war. Deshalb wurde Goeppertia für die große Gruppe wieder aufgegriffen, zu der die meisten dekorativen „Calatheas“ aus der Zimmerpflanzenkultur gehören.
Darum werden viele bekannte Zimmerpflanzen, die früher unter Calathea verkauft wurden, in wichtigen Datenbanken heute unter Goeppertia geführt.
Beispiele, die heute meist als Goeppertia behandelt werden:
Goeppertia orbifolia (Calathea orbifolia)
Goeppertia makoyana (Calathea makoyana)
Goeppertia roseopicta (Calathea roseopicta)
Goeppertia ornata (Calathea ornata)
Goeppertia warszewiczii (Calathea warszewiczii)
Goeppertia veitchiana (Calathea veitchiana)
Goeppertia insignis (ältere Synonyme sind unter anderem Calathea insignis und Calathea lancifolia)
Was bleibt weiterhin in Calathea?
Calathea ist nicht verschwunden. Die Gattung wurde nur deutlich kleiner. Arten wie Calathea lutea und Calathea crotalifera bleiben weiterhin in Calathea.
Für Pflanzenbesitzer ist die hilfreiche Kurzfassung: Viele Blattpflanzen, die lange als „Calatheas“ verkauft wurden, lassen sich heute besser unter Goeppertia recherchieren. Ältere Etiketten sind aber weiterhin überall. Wer beide Namen sucht, findet meist mehr Informationen als mit nur einem Namen.
Sansevieria und Dracaena
Dracaena trifasciata 'Laurentii', früher als Sansevieria trifasciata 'Laurentii' klassifiziert, wird in aktuellen großen Datenbanken heute meist in Dracaena geführt.
Die Überführung von Sansevieria in Dracaena ist einer der klarsten Fälle, in denen eine frühere Gattung in eine andere eingegliedert wurde. Molekulare Arbeiten von Lu und Morden trugen dazu bei zu zeigen, dass Sansevieriainnerhalb von Dracaena liegt. Spätere nomenklatorische Arbeiten vereinheitlichten viele der nötigen Kombinationen.
Heute behandeln wichtige taxonomische Datenbanken frühere Sansevieria-Arten meist als Dracaena.
Beispiele, die heute meist als Dracaena behandelt werden:
Dracaena trifasciata (Sansevieria trifasciata)
Dracaena angolensis (Sansevieria cylindrica)
Dracaena hanningtonii (Sansevieria ehrenbergii)
Dracaena masoniana (Sansevieria masoniana)
Dracaena pethera (Sansevieria kirkii)
Das ist eine echte Namensänderung, aber keine Veränderung der Pflanze selbst. Bogenhanf bleibt im Alltag Bogenhanf. Die neue Einordnung bildet vor allem die größeren evolutionären Zusammenhänge genauer ab.
Schefflera und Heptapleurum
Heptapleurum arboricola 'Charlotte', früher bekannt als Schefflera arboricola 'Charlotte', zeigt die heutige Behandlung der asiatischen Schefflera-Gruppe in wichtigen Datenbanken.
Die frühere breite Auffassung von Schefflera umfasste mehrere unterschiedliche Linien aus verschiedenen Regionen. Die für Zimmerpflanzen relevanteste Änderung kam 2020, als Lowry und Plunkett Heptapleurum für die asiatische Gruppe früherer Schefflera-Arten wieder einführten.
Darum werden bekannte Strahlenaralien heute meist so behandelt:
Gleichzeitig wurde die breite frühere Gattung Schefflera auch in andere Richtungen aufgeteilt. Viele neuweltliche Arten wurden in Gattungen wie Sciodaphyllum und Didymopanax überführt. Teile der afro-madagassischen Gruppe kamen zu Astropanax und Neocussonia.
Die eigentliche Geschichte lautet also nicht einfach „Schefflera wurde zu Heptapleurum“. Die frühere breite Schefflera wurde nach regionalen Linien aufgeteilt. Der verbleibende Kern von Schefflera ist dadurch deutlich kleiner geworden. Arten wie Schefflera digitata bleiben weiterhin in dieser Gattung.
Neotropische Homalomena und Adelonema
Diese Änderung ist im allgemeinen Pflanzenhandel weniger bekannt, spielt aber für Aronstabgewächse und Sammlerpflanzen eine Rolle. Im Jahr 2016 griffen Wong und Croat Adelonema für die neotropischen Arten wieder auf, die zuvor in Homalomena standen. Das bedeutet: Nicht alle früheren Homalomena blieben in einer gemeinsamen Gattung.
In der Praxis nutzen viele weiterhin ältere Namen, aber aktuelle Datenbanken akzeptieren meist Namen wie:
Adelonema wallisii (Homalomena wallisii)
Adelonema picturatum (Homalomena picturata)
Daran sieht man gut, dass eine Gattungsänderung nicht immer alle Arten betrifft, die früher zusammengeführt wurden. In diesem Fall wurden die neotropischen Vertreter getrennt, während der Kern der asiatischen Homalomena an anderer Stelle blieb.
Schismatoglottis sensu lato wurde in mehrere Gattungen aufgeteilt
Schismatoglottis zeigt gut, wie laufende Forschung an Aronstabgewächsen die Grenzen von Gattungen weiter verändern kann. Hier geht es nicht um eine saubere, einmalige Umbenennung. Es ist eher eine Abfolge von Eingrenzungen und Ausgliederungen.
Im Jahr 2024 grenzten Wong und Boyce Schismatoglottis sensu stricto enger ein und erkannten sieben neue Gattungen für Arten an, die zuvor in einer weiteren Auffassung von Schismatoglottis standen:
Aia
Ayuantha
Bau
Borneoa
Ibania
Sarawakia
Tweeddalea
Auch frühere Ausgliederungen sind relevant, darunter Nabalu und die wiederaufgenommene Verwendung von Colobogynium für einige Arten.
Für die meisten Hobby-Sammler ist die praktische Botschaft einfach: Wenn eine seltene Borneo-„Schismatoglottis“ plötzlich unter einer anderen Gattung auftaucht, kann das eine echte aktuelle Behandlung widerspiegeln und muss kein willkürlicher Verkaufsname sein.
Aloe und ihre abgespaltenen Gattungen
Aloidendron dichotomum, früher als Aloe dichotoma klassifiziert, gehört zu der Neuabgrenzung, bei der Baumaloen und mehrere andere Linien aus der früheren breiten Gattung Aloe herausgelöst wurden.
Die frühere breite Auffassung von Aloe wurde 2013 überarbeitet. Grace, Klopper, Smith und weitere Fachleute schlugen eine enger gefasste Gattung Aloe zusammen mit mehreren abgespaltenen Gattungen vor, die natürliche Linien besser abbilden.
Deshalb stehen manche Pflanzen, die früher als Aloe behandelt wurden, heute in:
Aloidendron – Baumaloen
Aloiampelos – rankende oder kletternde Aloen
Kumara – darunter Fächeraloe
Gonialoe – darunter die frühere Aloe variegata
Aristaloe – darunter Aristaloe aristata
Beispiele:
Aloidendron dichotomum (Aloe dichotoma)
Aloidendron barberae (Aloe barberae)
Aloiampelos ciliaris (Aloe ciliaris)
Kumara plicatilis (Aloe plicatilis)
Gonialoe variegata (Aloe variegata)
Aristaloe aristata (Aloe aristata)
Gleichzeitig bleiben viele bekannte Arten weiterhin in Aloe, darunter Aloe vera, Aloe ferox, Aloe arborescens und Aloe polyphylla.
Daran sieht man gut, wie taxonomische Änderungen in der Praxis häufig aussehen: Nicht eine ganze Gattung verschwindet, sondern eine sehr breite Gattung wird enger gefasst, während andere Linien eigene Namen bekommen.
Änderungen in der Haworthia-Gruppe: Haworthiopsis und Tulista
Diese Änderungen sollten getrennt von der Aloe-Geschichte betrachtet werden, denn sie sind keine Namensänderungen innerhalb von Aloe. Sie stammen aus Arbeiten zur weiteren alooiden Verwandtschaft und späteren Kombinationen, die frühere Haworthia in kleinere Gattungen aufteilten.
In aktuellen großen Datenbanken erscheinen bekannte Pflanzen heute unter Namen wie:
Haworthiopsis attenuata (Haworthia attenuata)
Tulista pumila (Haworthia pumila)
Nicht jede frühere Haworthia wurde aus der Gattung verschoben. Genau deshalb sorgt dieser Bereich weiterhin für Verwirrung. Je nach Art können akzeptierte Namen in Haworthia, Haworthiopsis oder Tulista stehen.
Kurzer Einschub: Bei Farnen kann es noch unübersichtlicher werden
Farne sind einen kurzen Blick wert, weil sie zeigen, wie uneinheitlich botanische Namen in der Praxis wirken können. Ältere gärtnerische Namen bleiben oft lange in Umlauf, und verschiedene Datenbanken stimmen nicht immer sauber überein.
Phlebodium aureum ist ein vertrautes Beispiel für eine ältere Namensänderung bei Farnen, die im Pflanzenhandel weiterhin sichtbar ist. In aktuellen großen Datenbanken wird Polypodium aureum als Synonym behandelt.
Phlebodium aureum ist das klarere Beispiel: Der ältere Name Polypodium aureum erscheint weiterhin in älteren Quellen, wird in aktuellen Datenbanken aber als Synonym behandelt.
Auf Etiketten von Kängurufarn kann weiterhin Zealandia pustulata oder Microsorum pustulatum stehen, während POWO die Pflanze derzeit unter Lecanopteris pustulata führt. Daran sieht man gut, wie lange Farnnamen je nach Quelle uneinheitlich bleiben können.
Entscheidend ist nicht, jede Farnkombination auswendig zu kennen. Wichtiger ist zu erkennen, dass ältere Farnnamen oft sehr lange im Umlauf bleiben. Synonyme zu prüfen, lohnt sich hier besonders.
4. Warum diese Umklassifizierungen für Pflanzenbesitzer wichtig sind
Diese Änderungen sind relevant, weil Namen den Zugang zu Informationen steuern. Wenn Du nur nach einem Namen suchst, verpasst Du vielleicht gute Pflegeinformationen, ältere Literatur, aktuelle akzeptierte Behandlungen oder Produktseiten, die noch den bekannteren Handelsnamen verwenden.
Was sich in der Praxis ändert:
✔ Suchergebnisse – Neuere Datenbanken verwenden vielleicht eine andere Gattung als das Etikett an Deiner Pflanze.
✔ Pflegerecherche – Die Pflege bleibt meist an dieselbe Pflanze gebunden, aber akzeptierter Name und wichtige Synonyme helfen Dir, vollständigere Informationen zu finden.
✔ Kommunikation – Wer ältere und neuere Namen kennt, versteht Pflanzenforen, Sammlergruppen, Pflanzen-Apps, Gärtnerei-Etiketten und Produktseiten leichter.
✔ Taxonomische Genauigkeit – Manche Änderungen zeigen Verwandtschaften klarer, schreiben aber die tägliche Pflege einer Pflanze nicht neu.
Die wichtigste Regel lautet: Eine Namensänderung verändert die Biologie der Pflanze nicht über Nacht. Es ist dieselbe Pflanze. Was sich ändert, ist die Art, wie Botaniker sie einordnen.
5. Wie Du mit mehreren Namen in Pflanzenshops und im Netz umgehst
Weil Gartenbau, Datenbanken und wissenschaftliche Veröffentlichungen nicht im selben Tempo aktualisiert werden, können für dieselbe Pflanze mehrere Namen im Umlauf sein. Das ist normal.
Suche beide Namen – Probiere den akzeptierten Namen und das ältere Synonym.
Prüfe eine benannte Datenbank – POWO, WFO und GBIF sind schnelle öffentliche Anlaufstellen für die aktuelle Behandlung.
Nutze IPNI für Publikationsdetails – IPNI ist sehr hilfreich für Autorennamen und nomenklatorische Geschichte.
Zeige bei Bedarf beide Namen – Zum Beispiel: Philodendron bipinnatifidum (syn. Thaumatophyllum bipinnatifidum).
Sei besonders vorsichtig bei uneinheitlich übernommenen Namen – Thaumatophyllum ist dafür das klarste Beispiel in diesem Ratgeber.
Wenn Du einen Pflanzenshop betreibst oder eine Sammlungsliste pflegst, ist eine doppelte Benennung oft der verständlichste Übergang. Die Pflanze bleibt auffindbar, ohne taxonomisch ungenau zu werden.
Was passiert mit Sortennamen?
Sortennamen verschwinden nicht automatisch, wenn sich die Gattung ändert. Der botanische Teil des Namens kann sich ändern, aber der Sortenname bleibt in einfachen Anführungszeichen und wird nicht kursiv gesetzt. Aus Sansevieria trifasciata 'Laurentii' wird unter der aktuellen Behandlung also Dracaena trifasciata 'Laurentii'.
Für Pflanzenshops ist das wichtig, weil Kunden oft nach der Sorte suchen und nicht nach dem vollständigen botanischen Namen. Wenn eine Sorte unter einer älteren Gattung bekannt ist, kann ein sichtbares Synonym unnötige Verwirrung vermeiden.
Welche Rolle spielen Alltagsnamen?
Alltagsnamen können beim Einkaufen und bei der Pflegerecherche weiterhin nützlich sein, entscheiden aber keine Taxonomie. „Bogenhanf“ hilft Dir vielleicht, eine Pflanze schnell zu finden. Der botanische Name zeigt Dir, welcher akzeptierten Behandlung oder welchem Synonym eine Datenbank folgt.
Dasselbe gilt für Namen wie „Calathea“, „Strahlenaralie“ und „Kängurufarn“. Solche Namen sind praktisch, aber nicht genau genug, wenn Du Taxonomie über mehrere Datenbanken oder Quellen hinweg vergleichen möchtest.
6. Herausforderungen, Verzögerungen und Uneinigkeit in der Pflanzentaxonomie
Umklassifizierungen können Taxonomie genauer machen, wirken im Alltag aber nicht immer ordentlich sortiert.
Verschiedene Datenbanken können unterschiedlich entscheiden
Große taxonomische Datenbanken übernehmen nicht immer zur selben Zeit dieselbe Behandlung. Deshalb kann eine Quelle Thaumatophyllum akzeptieren, während eine andere dieselben Arten weiterhin in Philodendron führt.
Der Pflanzenhandel zieht oft später nach
Händler verwenden häufig den Namen, den Kunden bereits kennen. Deshalb können ältere Namen im Gartenbau noch jahrelang präsent bleiben, nachdem eine Änderung in wissenschaftlichen Datenbanken angekommen ist.
Nicht jede veröffentlichte Änderung wird sofort Konsens
Ein Name kann gültig veröffentlicht sein und trotzdem Zeit brauchen, bis er in große Checklisten aufgenommen wird. Manche Änderungen setzen sich schnell durch. Andere bleiben jahrelang eine weniger verbreitete Einordnung.
Ältere Synonyme verschwinden nicht einfach
Selbst wenn ein akzeptierter Name stabil ist, können ältere Synonyme tief in Büchern, Websites, Apps, Gärtnerei-Etiketten und Sammlungslisten verankert bleiben. Das ist besonders häufig bei Farnen, Aronstabgewächsen, Sukkulenten und lange kultivierten Zierpflanzengruppen.
Das praktische Ziel ist also nicht, jede Änderung sofort auswendig zu kennen. Wichtiger ist zu verstehen, welchem Namen eine Quelle folgt, ob diese Einordnung weitgehend übernommen wurde und welches Synonym Dir weiterhin hilft, die Pflanze zu finden.
7. Fazit
Botanische Namensänderungen können erstmal lästig wirken, besonders wenn eine Pflanze, die Du lange unter einem Namen gepflegt, verkauft oder gesucht hast, plötzlich unter einem anderen Namen erscheint. In den meisten Fällen sollen diese Änderungen die Klassifikation aber näher an die beste verfügbare Evidenz bringen und nicht den Alltag von Pflanzenliebhabern komplizierter machen.
Einige Änderungen aus diesem Ratgeber sind in großen Datenbanken inzwischen weitgehend etabliert, darunter Goeppertia, Dracaena, Heptapleurum, Adelonema und die wichtigsten abgespaltenen Gattungen rund um Aloe. Andere, besonders Thaumatophyllum, brauchen mehr Vorsicht, weil große Datenbanken sie noch unterschiedlich behandeln.
Die gute Nachricht: Du musst Deine ganze Pflanzensammlung nicht neu lernen. Die Pflanzen bleiben dieselben Pflanzen. Am meisten hilft es, eine verlässliche Quelle konsequent zu nutzen, wichtige Synonyme bei Bedarf mitzuprüfen und ältere sowie aktuelle Namen wiederzuerkennen, wenn sie nebeneinander auftauchen.
Zentrale Fachartikel, auf die sich dieser Beitrag stützt
Borchsenius, F., Suárez, L. S., & Prince, L. M. (2012). Molecular Phylogeny and Redefined Generic Limits of Calathea (Marantaceae). Systematic Botany 37(3): 620–635.
Lu, P.-L. & Morden, C. W. (2014). Phylogenetic Relationships among Dracaenoid Genera (Asparagaceae: Nolinoideae) Inferred from Chloroplast DNA Loci. Systematic Botany 39(1): 90–104.
Takawira-Nyenya, R., Thiede, J., & Mucina, L. (2021). New nomenclatural and taxonomic adjustments in Dracaena (Asparagaceae). Phytotaxa 524(4): 293–300.
Lowry II, P. P. & Plunkett, G. M. (2020). Resurrection of the genus Heptapleurum for the Asian clade of species previously included in Schefflera (Araliaceae). Novon 28(3): 143–170.
Wong, S. Y., Croat, T. B., & Boyce, P. C. (2016). Resurrection and New Species of the Neotropical Genus Adelonema (Araceae: Philodendron Clade). Systematic Botany 41(1): 32–48.
Wong, S. Y. & Boyce, P. C. (2024). Schismatoglottideae (Araceae) of Borneo LXXVII — Circumscribing Schismatoglottis sensu stricto, and seven new genera. Webbia 79(2): 255–289.
Sakuragui, C. M., Calazans, L. S. B., de Oliveira, L. L., de Morais, É. B., Benko-Iseppon, A. M., Vasconcelos, S., Schrago, C. E. G., & Mayo, S. J. (2018). Recognition of the genus Thaumatophyllum Schott – formerly Philodendron subg. Meconostigma (Araceae) – based on molecular and morphological evidence. PhytoKeys 98: 51–71.
Grace, O. M., Klopper, R. R., Smith, G. F., Crouch, N. R., Figueiredo, E., Rønsted, N., et al. (2013). A revised generic classification for Aloe (Xanthorrhoeaceae subfam. Asphodeloideae). Phytotaxa 76(1): 7–14.
Manning, J. C., Boatwright, J. S., Daru, B. H., Maurin, O., & Van der Bank, M. (2014). A molecular phylogeny and generic classification of Asphodelaceae subfamily Alooideae: A final resolution of the prickly issue of polyphyly in the alooids? Systematic Botany 39(1): 55–74.
Pteridophyte Phylogeny Group I (2016). A community-derived classification for extant lycophytes and ferns. Journal of Systematics and Evolution 54(6): 563–603.
Weitere Literatur zu Unterschieden zwischen Checklisten
Govaerts, R., Nic Lughadha, E., Black, N., Turner, R., & Paton, A. (2021). The World Checklist of Vascular Plants, a continuously updated resource for exploring global plant diversity. Scientific Data 8: 215.
Schellenberger Costa, D., Boehnisch, G., Freiberg, M., Govaerts, R., Grenié, M., Hassler, M., et al. (2023). The big four of plant taxonomy – a comparison of global checklists of vascular plant names. New Phytologist 240(5): 1687–1702.
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