Botanische Umbenennungen: Warum deine Pflanze plötzlich anders heißt

Inhalt:
- Einleitung: Warum Pflanzennamen wichtig sind
- Warum sich botanische Klassifikationen ändern
- Überblick über aktuelle Umklassifizierungen
- Warum (und wie) diese Änderungen für Zimmerpflanzenfans relevant sind
- So gehst du mit mehreren Namen im Handel und online um
- Herausforderungen und Kritik bei botanischen Umklassifizierungen
- Fazit
- Quellen und weiterführende Lektüre
1. Einleitung: Warum Pflanzennamen WICHTIG sind
Pflanzennamen sind wichtig. Sie bestimmen wie wir über Pflanzen sprechen, wie du Pflegeinfos findest und welche Art du am Ende kaufst. Botanische Namen sind aber nicht in Stein gemeißelt – sie ändern sich, sobald neue wissenschaftliche Erkenntnisse unser Bild von Verwandtschaft und Entwicklung schärfen.
Vielleicht ist es dir schon aufgefallen (oder auch nicht): Manche bekannten Zimmerpflanzen heißen plötzlich anders:
- Calathea orbifolia heißt jetzt Goeppertia orbifolia
- Sansevieria trifasciata heißt jetzt Dracaena trifasciata
- Baumartige Philodendren wurden in die Gattung Thaumatophyllum verschoben
- Einige Aloe-Arten wurden neuen Gattungen wie Aloidendron, Aloiampelos und Kumara zugeordnet
Diese Änderungen passieren nicht willkürlich – sie beruhen auf moderner Forschung in Pflanzengenetik und Evolutionsbiologie. Fortschritte in der molekularen Phylogenetik machen es möglich, Stammbäume deutlich präziser zu rekonstruieren. Dabei zeigt sich oft: Arten, die früher zusammengeführt wurden, sind genetisch nicht so nah verwandt wie lange angenommen.
In diesem Leitfaden schauen wir uns die wichtigsten Umklassifizierungen an, darunter:
✔ Thaumatophyllum (früher Teil von Philodendron)
✔ Goeppertia (Arten, die von Calathea dorthin verschoben wurden)
✔ Dracaena (inklusive früherer Sansevieria)
✔ Heptapleurum (Abspaltung von Schefflera)
✔ Polypodium-Arten in neuen Gattungen
✔ Neue Aloe-Gattungen (Aloidendron, Aloiampelos, Kumara, Gonialoe)
Neben den wissenschaftlichen Hintergründen geht’s auch um den Alltag: Was bedeuten neue Namen für Pflege, Einkauf und Gespräche unter Pflanzenfans? Du findest hier Hinweise auf echte Studien, fachliche Einordnung und eine klare Orientierung, wie du mit Namenswechseln entspannt umgehst.
Am Ende kannst du Pflanzenetiketten sicherer lesen – und verstehst die evolutionären Zusammenhänge, die hinter diesen Umklassifizierungen stehen.
Warum sich botanische Klassifikationen ändern
Über Jahrhunderte wurden Pflanzen vor allem nach sichtbaren Merkmalen eingeordnet – etwa Blattform, Wuchs oder Blütenaufbau. Mit Fortschritten bei DNA-Sequenzierung und molekularer Phylogenetik hat sich Taxonomie jedoch stark verändert. Denn: Ähnlich aussehende Pflanzen müssen nicht eng verwandt sein – und sehr unterschiedliche Arten können einen gemeinsamen Vorfahren teilen.
Studien mit Chloroplasten-DNA und phylogenetischen Stammbäumen zeigen, dass traditionelle Einteilungen häufig künstliche Gruppen waren. Genau deshalb kommt es zu taxonomischen Aktualisierungen: Familien und Gattungen sollen tatsächliche evolutionäre Beziehungen abbilden – hilfreich sowohl für Forschung als auch für den gärtnerischen Alltag.
Haupttreiber von Umklassifizierungen
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Genetische Evidenz
DNA-Daten zeigen, dass manche Gruppen, die lange gemeinsam geführt wurden, keinen einzelnen gemeinsamen Vorfahren haben – dann wird neu sortiert.
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Phylogenetische Analysen
Mit genetischen Markern lassen sich Verwandtschaftsverhältnisse abbilden und Stammbäume gezielt verfeinern.
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Groß angelegte Studien
Durch Next-Generation-Sequencing (NGS) können Forschende ganze Pflanzenfamilien oder Ordnungen vergleichen – das führt häufig zu Namensänderungen.
Was Namensänderungen auslösen
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Handel und Gartenbau
Viele Gärtnereien behalten bekannte Namen länger bei, damit Kundschaft sie wiedererkennt. Dadurch unterscheiden sich wissenschaftliche und kommerzielle Bezeichnungen oft eine Zeit lang.
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Fach- und Sammlerkreise
Forschungseinrichtungen und botanische Gesellschaften passen Bezeichnungen meist schneller an. Wer tiefer einsteigt, profitiert davon, am Ball zu bleiben.
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Einordnung von Pflegehinweisen
Manchmal geben Umklassifizierungen Hinweise auf Unterschiede bei Wachstum, Anfälligkeiten oder Standortansprüchen – nicht immer, aber manchmal.
Namenswechsel können nerven. Unterm Strich verbessern sie aber wissenschaftliche Genauigkeit und machen Evolutionszusammenhänge verständlicher.
Moderne Werkzeuge hinter taxonomischen Updates
Botanische Klassifikationen verändern sich heute schneller als früher – dank Fortschritten bei Genetik, internationaler Zusammenarbeit und gemeinschaftlich gepflegten Datenbanken.
Wichtige Technologien, die Pflanzentaxonomie verändern:
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Chloroplasten-DNA-Sequenzierung
Erfasst genetische Veränderungen in Chloroplasten und hilft dabei, evolutionäre Zeitlinien zu rekonstruieren.
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Mikrosatelliten & Kern-DNA-Analysen
Liefern zusätzliche Informationen zu Verwandtschaft und Artabgrenzungen.
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Next-Generation-Sequencing (NGS)
Ermöglicht großflächige Vergleiche über Arten, Gattungen, Familien oder ganze Pflanzenordnungen – und erhöht die Genauigkeit deutlich.
Zuverlässige taxonomische Datenbanken:
Aktuelle Einordnungen findest du unter anderem hier:
- Plants of the World Online (Kew Gardens)
- GBIF | Global Biodiversity Information Facility
- Tropicos (Missouri Botanical Garden)
Wie neue Namen in die Praxis kommen:
- Forschungsergebnisse werden in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht.
- Autoritative Datenbanken übernehmen neue Namen und Synonyme.
- Botanik, Gartenbau und Pflanzenszene ziehen nach – je nach Kontext unterschiedlich schnell.
Diese Entwicklungen beschleunigen taxonomische Aktualisierungen deutlich. Manche Änderungen brauchen, bis sie überall ankommen – doch sie beruhen auf echten genetischen Beziehungen und helfen, ein stimmigeres, nachvollziehbareres System zu schaffen.
Überblick über aktuelle Umklassifizierungen
Botanische Umklassifizierungen haben die Taxonomie in den letzten Jahren spürbar verändert – und betreffen viele bekannte Zimmerpflanzen und Gartenarten. Genetische Forschung und phylogenetische Analysen haben dazu geführt, dass neue Gattungen geschaffen, andere zusammengeführt und zahlreiche Arten neu zugeordnet wurden, damit die Namen ihre evolutionären Beziehungen besser widerspiegeln. Hier kommt ein Überblick über die wichtigsten Änderungen – inklusive Einordnung für die Praxis.

Thaumatophyllum: Umklassifizierung baumartiger Philodendren
Im Jahr 2018 ordneten die Botaniker Cassia Mônica Sakuragui, Luana Silva Braucks Calazans und Simon Joseph Mayo bestimmte große, selbsttragende Arten aus der Gattung Philodendron einer eigenen Gattung zu: Thaumatophyllum. Damit griffen sie eine Einordnung wieder auf, die bereits 1859 von Heinrich Wilhelm Schott vorgeschlagen worden war. Grundlage waren molekulare, morphologische und zytologische Untersuchungen, die zeigten, dass diese Arten eine klar abgrenzbare genetische Gruppe bilden – getrennt von rankenden und kletternden Philodendron-Arten.
Ziel war es, historische Unstimmigkeiten zu korrigieren und Thaumatophyllum als gültige Gattung wiederherzustellen. DNA-Daten machten deutlich, dass diese baumartigen Aronstabgewächse deutlich von den „klassischen“ Philodendron abweichen. Die Gattung war zwar vor über 160 Jahren beschrieben worden, wurde später jedoch in Philodendron integriert – bis moderne Studien sie erneut abgespalten haben.
Warum wurde diese Änderung vorgenommen?
Genetische Evidenz – DNA-Daten bestätigen, dass diese Arten nicht eng mit „echten“ Philodendron verwandt sind.
Deutlich anderer Wuchs – Statt zu klettern oder zu ranken, entwickelt Thaumatophyllum dicke, verholzende Stämme und wächst aufrecht wie kleine Bäume.
Wissenschaftliche Genauigkeit – Die Wiederanerkennung von Thaumatophyllum passt zu historischen Einordnungen und zu heutigen genetischen Ergebnissen.
Wichtige Arten, die jetzt unter Thaumatophyllum geführt werden
Diese früheren Philodendron-Arten gehören offiziell zu Thaumatophyllum:
- Thaumatophyllum bipinnatifidum – (Philodendron bipinnatifidum / Philodendron selloum), im Handel häufig als Baum-Philodendron oder „Selloum“ bezeichnet.
- Thaumatophyllum xanadu – (Philodendron xanadu), kompakter Wuchs mit tief gelappten Blättern, sehr beliebt als Zimmerpflanze.
- Thaumatophyllum adamantinum – (Philodendron adamantinum), brasilianische Art mit markanter Blattform.
- Thaumatophyllum corcovadense – (Philodendron corcovadense), aus Brasilien, geschätzt wegen der dekorativen Blätter.
- Thaumatophyllum speciosum – (Philodendron speciosum), mit besonders großen, auffälligen Blättern.
- Thaumatophyllum spruceanum – bereits 1859 als Thaumatophyllum beschrieben, später zu Philodendron verschoben und nun wieder zurückgestellt.
- Thaumatophyllum stenolobum – (Philodendron stenolobum), mit charakteristisch schmal gelappten Blättern.
- Thaumatophyllum williamsii – (Philodendron williamsii), bekannt für seine besondere Blattmorphologie.
- Thaumatophyllum saxicola – (Philodendron saxicola), an felsige Standorte angepasst.
- Thaumatophyllum undulatum – (Philodendron undulatum), erkennbar an welligen Blatträndern.
Was das für Pflanzenfans bedeutet:
- Etiketten ändern sich langsam – Viele Gärtnereien nutzen weiterhin die alten Philodendron-Namen, während botanische Datenbanken die Arten unter Thaumatophyllum führen.
- Gleiche Pflege, neuer Name – Die Umklassifizierung ändert nichts an der Kultur: helles, indirektes Licht, gut durchlässiges Substrat und gelegentliches Düngen.
- Mehr Klarheit in der Systematik – Die Trennung macht die evolutionären Beziehungen innerhalb der Aronstabgewächse besser nachvollziehbar.
Auch wenn sich die neuen Namen nicht überall sofort durchsetzen, erhöhen sie die botanische Präzision und geben einen klareren Blick auf die Vielfalt innerhalb der Aronstabgewächse.

Calathea wird zu Goeppertia:
Im Jahr 2012 führten die Botaniker Finn Borchsenius, Luz Stella Suárez und Linda M. Prince eine molekulare phylogenetische Studie durch, die dazu führte, dass viele Arten aus der Gattung Calathea nach Goeppertia verschoben wurden. Grundlage war genetische Evidenz: Diese Arten bilden eine eigenständige evolutionäre Gruppe, getrennt von den „echten“ Calathea-Arten.
Früher galt Calathea als große, breit gefasste Gattung. DNA-Daten zeigten jedoch, dass die meisten Arten tatsächlich zu Goeppertia gehören – und nur ein vergleichsweise kleiner Teil als Calathea im engeren Sinn verbleibt.
Warum wurde diese Änderung vorgenommen?
- Genetische Evidenz – DNA-Analysen zeigten, dass viele „Calatheas“ näher mit Goeppertia verwandt sind.
- Evolutionäre Beziehungen – Die Umklassifizierung macht sichtbar, wie diese Pflanzen tatsächlich miteinander verwandt sind.
- Taxonomische Genauigkeit – Die Benennung orientiert sich stärker an den aktuell bestgestützten botanischen Einordnungen.
Wichtige Arten, die zu Goeppertia verschoben wurden
Viele bekannte Zimmerpflanzen, die früher als Calathea verkauft wurden, gehören heute zu Goeppertia, zum Beispiel:
- Goeppertia picturata (Calathea picturata) – bekannt für silbrig gemusterte Blätter.
- Goeppertia roseopicta (Calathea roseopicta) – mit rosafarbenen Zeichnungen auf den Blättern.
- Goeppertia ornata (Calathea ornata) – geschätzt wegen fein gestreifter Blätter.
- Goeppertia makoyana (Calathea makoyana) – oft als „Pfauenpflanze“ bezeichnet.
- Goeppertia warszewiczii (Calathea warszewiczii) – mit samtigen, dunkelgrünen Blättern.
- Goeppertia orbifolia (Calathea orbifolia) – große, runde Blätter mit silbrigen Streifen.
- Goeppertia lancifolia (Calathea lancifolia) – häufig „Rattlesnake Plant“ im Handel.
- Goeppertia veitchiana (Calathea veitchiana) – auffällig gemusterte, farbige Blätter.
- Goeppertia burle-marxii (Calathea burle-marxii) – benannt nach Roberto Burle Marx.
- Goeppertia insignis (Calathea insignis) – längliche Blätter mit kräftiger Zeichnung.
Welche Arten bleiben in Calathea?
Trotz der Änderungen gehören einige Arten (rund 60) weiterhin zu Calathea, darunter:
- Calathea crotalifera – erkennbar an blütenähnlichen Strukturen, die an eine Klapperschlange erinnern.
- Calathea lutea – als Cuban Cigar bekannt, mit großen, paddelförmigen Blättern.
- Calathea lasiostachya – mit besonderen Blütenständen.
- Calathea grandifolia – mit breiten, sattgrünen Blättern.
- Calathea gigantea – seltene Art mit sehr großen Blättern.
Was das für Pflanzenfans bedeutet:
- Verwirrung bei Etiketten – Viele Betriebe nutzen weiterhin Calathea als Handelsname, andere sind schon bei Goeppertia. Wer den Wechsel nicht kennt, stolpert schnell über zwei Namen für dieselbe Pflanze.
- Gleiche Pflege, neuer Name – Die Umklassifizierung ändert nichts an den Ansprüchen: hohe Luftfeuchtigkeit, indirektes Licht und gut durchlässiges Substrat bleiben wichtig.
- Mehr botanische Präzision – Die Einordnung macht Verwandtschaften innerhalb der Marantaceae verständlicher und sorgt langfristig für klarere Benennung.
Auch wenn der Handel teils Zeit braucht, verbessern diese Änderungen die taxonomische Genauigkeit und helfen, die Vielfalt dieser Gruppe besser einzuordnen.

Sansevieria wird als Dracaena geführt:
Im Jahr 2014 veröffentlichten die Botaniker Pei-Luen Lu und Clifford W. Morden eine molekulare phylogenetische Studie, die zeigte, dass Sansevieria-Arten genetisch innerhalb der Dracaena-Linie liegen. Die Arbeit erschien in Systematic Botany und lieferte klare DNA-Hinweise, dass Sansevieria keine eigenständige Gattung ist, sondern innerhalb von Dracaena aufgeht.
Aufbauend darauf verfeinerten Ratidzayi Takawira-Nyenya und Paul I. Forster die Einordnung in 2021 weiter und veröffentlichten aktualisierte Nomenklatur und taxonomische Anpassungen in Dracaena. Damit wurde bestätigt, dass alle Sansevieria-Arten offiziell unter Dracaena geführt werden sollten – passend zur evolutionären Geschichte.
Warum wurde diese Änderung vorgenommen?
- Genetische Evidenz – DNA-Daten zeigen, dass Sansevieria eng mit Dracaena verwandt ist und keine separate evolutionäre Gruppe bildet.
- Taxonomische Genauigkeit – Die Einordnung soll tatsächliche Verwandtschaft abbilden statt nur äußere Ähnlichkeit.
- Wissenschaftliche Konsistenz – Nach dem Prioritätsprinzip bleibt der ältere Gattungsname (Dracaena) erhalten.
Wichtige Arten, die davon betroffen sind
Viele beliebte Sansevieria-Arten werden heute als Dracaena geführt, darunter:
Dracaena trifasciata (Sansevieria trifasciata) – als Bogenhanf oder Schwiegermutterzunge bekannt.
Dracaena angolensis (Sansevieria cylindrica) – oft Afrikanische Speerpflanze, mit langen, zylindrischen Blättern.
Dracaena hanningtonii (Sansevieria ehrenbergii) – robuste Art mit dicken, schwertförmigen Blättern.
Dracaena masoniana (Sansevieria masoniana) – häufig „Walflosse“ genannt, wegen des breiten, paddelförmigen Blatts.
Dracaena pearsonii (Sansevieria pearsonii) – steife, aufrechte, zylindrische Blätter.
Dracaena pethera (Sansevieria kirkii) – auffällig durch wellige Textur und Panaschierung.
Dracaena bacularis (Sansevieria bacularis) – schmalblättrige Art, ähnlich D. angolensis.
Dracaena aubrytiana (Sansevieria aubrytiana) – seltenere Art mit streng aufrechtem Wuchs.
Dracaena fischeri (Sansevieria fischeri) – kompakt und langsam wachsend, mit aufrechten Blättern.
Dracaena canaliculata (Sansevieria canaliculata) – schmale Blätter mit deutlich ausgeprägten Längsrillen.
Was das für Pflanzenbesitzer bedeutet:
- Verwirrung bei Etiketten – Viele Betriebe verkaufen weiterhin unter Sansevieria, obwohl die offizielle Einordnung Dracaena ist.
- Gleiche Pflanze, neuer Name – Die Pflege bleibt gleich: wenig Licht wird toleriert, Wasser sparsam, Substrat gut durchlässig.
- Mehr botanisches Verständnis – Die Umstellung bringt die Namen in Einklang mit der Forschung und erleichtert langfristig korrekte Einordnung.
Auch wenn Sansevieria im Alltag oft weiter verwendet wird, spiegelt die offizielle Einordnung unter Dracaena ein genaueres, wissenschaftlich gestütztes Bild dieser Gruppe wider.

Schefflera wird zu Heptapleurum:
Im Jahr 2020 veröffentlichten Porter P. Lowry II und Gregory M. Plunkett eine umfassende molekulare phylogenetische Studie, die dazu führte, dass viele Arten, die früher unter Schefflera liefen, in die Gattung Heptapleurum verschoben wurden. Die Daten zeigten, dass Schefflera eine polyphyletische Gruppe war – also Arten zusammenfasste, die nicht eng verwandt sind. Um die Einordnung zu präzisieren, wurden viele Arten (besonders aus Asien und dem Pazifik) wieder unter Heptapleurum geführt – eine Gattung, die schon im 19. Jahrhundert beschrieben, später aber in Schefflera integriert worden war.
Andere Arten, vor allem aus den Neotropen, wurden in weitere Gattungen wie Didymopanax verschoben. In Schefflera verbleibt nur eine kleine Anzahl von Arten, hauptsächlich aus Neuseeland und einigen Pazifikinseln.
Warum wurde diese Änderung vorgenommen?
- Genetische Evidenz – DNA-Daten zeigten, dass Schefflera mehrere evolutionäre Linien umfasst und deshalb aufgeteilt werden muss.
- Taxonomische Genauigkeit – Namen sollen tatsächliche Verwandtschaft abbilden statt nur äußerliche Ähnlichkeit.
- Wissenschaftliche Konsistenz – Die Wiederherstellung von Heptapleurum und anderen Gattungen folgt Regeln der botanischen Nomenklatur und verhindert, dass nicht verwandte Arten in einer Gattung landen.
Wichtige Arten, die zu Heptapleurum verschoben wurden
Viele bekannte Schefflera-Arten werden heute als Heptapleurum geführt, darunter:
- Heptapleurum arboricola (Schefflera arboricola) – als Zwerg-Strahlenaralie bekannt, beliebte Zimmerpflanze mit kompaktem Wuchs und panaschierten Sorten.
- Heptapleurum actinophyllum (Schefflera actinophylla) – früher auch Australische Strahlenaralie oder „Oktopusbaum“, mit großen, glänzenden Blättern.
- Heptapleurum ellipticum (Schefflera elliptica) – kletternde Art mit schirmartig angeordneten Blättern.
- Heptapleurum fantsipanense (Schefflera fantsipanensis) – neu zugeordnete Art aus Vietnam.
- Heptapleurum hypoleucum (Schefflera hypoleuca) – auffällig wegen heller Blattunterseiten.
- Heptapleurum taiwanianum (Schefflera taiwaniana) – aus Taiwan, in kühleren Klimazonen auch als Gartenpflanze bekannt.
- Heptapleurum venulosum (Schefflera venulosa) – Vorkommen in Indien und Südostasien.
Weitere Umklassifizierungen in andere Gattungen
Neben Heptapleurum wurden einige Arten in weitere Gattungen verschoben, darunter:
- Didymopanax morototoni (Schefflera morototoni) – neotropischer Baum, heute unter Didymopanax geführt.
- Astrotricha-Arten – einige australische Arten wurden zu Astrotricha übertragen.
Welche Arten bleiben in Schefflera?
Nach den Umklassifizierungen umfasst Schefflera nur noch wenige Arten, vor allem aus Neuseeland und einigen Pazifikinseln, darunter:
- Schefflera digitata – als Patē bekannt, heimisch in Neuseeland.
- Schefflera balansana – aus Neukaledonien.
- Schefflera candelabrum – ebenfalls aus Neukaledonien.
- Schefflera samoensis – heimisch in Samoa.
Was das für Pflanzenbesitzer bedeutet
- Namenswechsel & Verwirrung – Manche Betriebe bleiben bei Schefflera, andere nutzen bereits Heptapleurum. Wenn du Heptapleurum arboricola oder Heptapleurum actinophyllum siehst, ist das dieselbe Pflanze, die früher als Schefflera arboricola bzw. Schefflera actinophylla ausgezeichnet war.
- Gleiche Pflege, neuer Name – Der Name ändert nichts an der Kultur: indirektes Licht, mäßiges Gießen, gut durchlässiges Substrat.
- Mehr Sicherheit beim Einordnen – Wer alte und neue Namen kennt, findet sich leichter in Ratgebern, Datenbanken und im Handel zurecht.
Auch wenn Schefflera im Alltag noch häufig verwendet wird, zeigt die Umklassifizierung zu Heptapleurum und anderen Gattungen ein präziseres, wissenschaftlich besser gestütztes Bild dieser Gruppe.

Umklassifizierung von Polypodium-Arten in verschiedene Gattungen:
Die Gattung Polypodium wurde historisch genutzt, um eine sehr breite Palette von Farnen zu klassifizieren – und genau deshalb gab es in den letzten Jahren deutliche taxonomische Überarbeitungen. Genetische Forschung zeigte, dass viele Arten, die lange unter Polypodium geführt wurden, evolutiv besser in andere Gattungen passen. Ergebnis: Zahlreiche Arten wurden neu zugeordnet, um ihre tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse besser abzubilden.
Zu den einflussreichsten Arbeiten gehören Studien von Carl J. Rothfels et al. (2012) sowie der Pteridophyte Phylogeny Group (PPG I) (2016). Diese molekulare Forschung lieferte DNA-basierte Hinweise, dass Polypodium polyphyletisch ist – also Arten enthält, die nicht miteinander verwandt genug sind, um sinnvoll in einer Gattung zu bleiben. Die Arbeiten (publiziert in Taxon) trugen dazu bei, ein genaueres System für Farne innerhalb der Polypodiaceae zu etablieren.
Warum wurde diese Änderung vorgenommen?
- Genetische Evidenz – DNA-Daten zeigten, dass viele frühere Polypodium-Arten keinen gemeinsamen Ursprung innerhalb einer Linie teilen und deshalb in getrennte Gattungen gehören.
- Taxonomische Genauigkeit – Die Einordnung spiegelt tatsächliche Evolutionsgeschichte wider statt oberflächliche Ähnlichkeiten.
- Wissenschaftliche Standardisierung – Durch die Neuverteilung werden Beziehungen klarer, die Systematik wird stabiler und besser begründbar.
Wichtige Arten, die aus Polypodium verschoben wurden
Viele Arten, die früher als Polypodium geführt wurden, findest du heute in anderen Gattungen, darunter:
- Phlebodium aureum (Polypodium aureum) – als Goldtüpfelfarn bekannt, heute in Phlebodium.
- Serpocaulon lasiopus (Polypodium argyrolepis) – zu Serpocaulon verschoben, mit kriechenden Rhizomen.
- Serpocaulon eleutherophlebium (Polypodium mindense) – zu Serpocaulon wegen eigener Merkmalskombination.
- Pleopeltis murora (Polypodium mixtum) – heute Pleopeltis, charakteristisch durch schuppige Strukturen.
- Moranopteris achilleifolia (Polypodium piligerum) – zu Moranopteris, einer Gruppe zarter Farne.
- Hypolepis punctata (Polypodium punctatum) – heute Hypolepis, mit fein geteilten Wedeln.
- Pecluma dulcis (Polypodium quitense) – zu Pecluma, bekannt für schlanke Wedel.
- Serpocaulon sessilifolium (Polypodium rimbachii) – zu Serpocaulon, mit sitzenden Blättern.
- Serpocaulon fraxinifolium (Polypodium scutulatum) – mit eschenähnlicher Anmutung, heute Serpocaulon.
- Zealandia pustulata (Polypodium pustulatum) – zu Zealandia, einer neu definierten Gattung für bestimmte Farne aus Neuseeland.
Arten, die in Polypodium bleiben
Trotz der Neuordnung bleiben einige Arten in Polypodium. Diese teilen eine eigenständige genetische Linie und grenzen sich von den oben genannten Gattungen ab:
- Polypodium vulgare – Gemeiner Tüpfelfarn, in vielen gemäßigten Regionen verbreitet.
- Polypodium glycyrrhiza – Süßholzfarn, heimisch in Nordamerika.
- Polypodium scouleri – Scouler-Tüpfelfarn, entlang der Pazifikküste.
- Polypodium californicum – Kalifornischer Tüpfelfarn, endemisch in Kalifornien und Nordmexiko.
- Polypodium amorphum – auch als Unregelmäßiger Tüpfelfarn bekannt, heimisch im Westen Nordamerikas.
Was das für Pflanzenfans bedeutet
- Verwirrung im Handel – Viele Etiketten und Ratgeber verwenden noch Polypodium. Wenn du Phlebodium aureum oder Serpocaulon lasiopus liest, sind das Arten, die früher als Polypodium geführt wurden.
- Gleiche Pflanze, neuer Name – Der Gattungsname ändert nichts an Eigenschaften oder Pflege: Diese Farne mögen feuchte Luft, indirektes Licht und ein gut durchlässiges, humusreiches Substrat.
- Mehr Orientierung – Wenn du alte und neue Namen kennst, findest du dich leichter in Datenbanken, Pflegeinfos und botanischen Nachschlagewerken zurecht.
Auch wenn Polypodium informell weiterhin häufig auftaucht, liefern die aktualisierten Einordnungen ein wissenschaftlich genaueres Bild der Verwandtschaftsverhältnisse – und bringen langfristig mehr Konsistenz in Forschung und Gartenbau.

Neuordnung bei Aloe: neue Gattungen für Baum-, Kletter- und Fächer-Aloen
Im Jahr 2013 veröffentlichten die Botaniker Olwen M. Grace, Ronell R. Klopper und Gideon F. Smith eine umfassende taxonomische Studie, die zu deutlichen Veränderungen innerhalb von Aloe führte. Die Arbeit (erschienen in Phytotaxa) zeigte, dass Aloe in der traditionellen, breiten Definition polyphyletisch war – also Arten aus mehreren evolutionären Linien zusammenfasste. Um das zu korrigieren, wurde Aloe sensu stricto enger gefasst und mehrere abgetrennte Gattungen wurden anerkannt, damit monophyletische Gruppen besser abgebildet werden. Ziel: ein klareres, evolutiv stimmigeres System.
Warum wurden diese Änderungen vorgenommen?
- Genetische Evidenz: Molekulare Analysen zeigten, dass die frühere weite Definition von Aloe Arten vereinte, die nicht eng verwandt sind – eine präzisere Struktur wurde nötig.
- Taxonomische Klärung: Durch die Abtrennung in mehrere Gattungen wird die Einordnung den unterschiedlichen evolutionären Linien innerhalb dieser Sukkulenten gerechter.
Wichtige Gattungen und neu zugeordnete Arten
Mehrere neue oder wieder eingeführte Gattungen umfassen Arten, die früher unter Aloe liefen:
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Aloidendron: Diese Gattung umfasst die Baum-Aloen mit hohem, verzweigtem Wuchs.
Aloidendron barberae (früher Aloe barberae): auch Baum-Aloe genannt, heimisch in Südafrika und Mosambik.
Aloidendron dichotomum (früher Aloe dichotoma): auch Köcherbaum genannt, in Namibia und Südafrika.
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Aloiampelos: Umfasst kriechende oder kletternde Aloen mit ausladendem Wuchs.
Aloiampelos ciliaris (früher Aloe ciliaris): als Kletter-Aloe bekannt, heimisch in Südafrika.
Aloiampelos tenuior (früher Aloe tenuior): auch Zaun-Aloe genannt, ebenfalls aus Südafrika.
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Kumara: Diese Gattung wurde wieder eingesetzt und umfasst Arten mit fächerförmiger Blattstellung.
Kumara plicatilis (früher Aloe plicatilis): als Fächer-Aloe bekannt, endemisch im Western Cape (Südafrika).
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Gonialoe: Gekennzeichnet durch kompakte, dreireihig angeordnete, dreieckige Blätter.
Gonialoe variegata (früher Aloe variegata): häufig als Tigeraloe bezeichnet, in Südafrika und Namibia.
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Aristaloe: Monotypische Gattung mit besonderen Blütenmerkmalen.
Aristaloe aristata (früher Aloe aristata): als Spitzen-Aloe bekannt, heimisch in Südafrika.
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Tulista: Von Haworthia abgetrennt; umfasst robuste Arten, oft mit warzigen Erhebungen auf den Blättern.
Tulista pumila (früher Haworthia pumila): bekannt für deutlich erhabene Strukturen auf den Blättern.
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Haworthiopsis: Ebenfalls von Haworthia abgespalten; umfasst Arten mit festen, oft stacheligen Blättern.
Haworthiopsis attenuata (früher Haworthia attenuata): als Zebra-Haworthie bekannt, heimisch in Südafrika.
Arten, die in Aloe bleiben
Trotz der Neuordnung umfasst Aloe weiterhin viele Arten, darunter:
- Aloe vera: als True Aloe oder Medicinal Aloe bekannt, weltweit kultiviert.
- Aloe arborescens: als Candelabra Aloe bekannt, aus dem südlichen Afrika.
- Aloe ferox: als Bitter Aloe bekannt, aus Südafrika.
- Aloe marlothii: als Mountain Aloe bekannt, aus dem südlichen Afrika.
- Aloe polyphylla: als Spiral Aloe bekannt, endemisch in Lesotho.
Was das für Pflanzenfans bedeutet
- Benennung im Handel: Diese Änderungen sind nicht überall sofort sichtbar – je nach Betrieb und Literatur kann es dauern, bis neue Namen flächendeckend genutzt werden.
- Pflege bleibt gleich: Die Umklassifizierung verändert die Kultur nicht – entscheidend bleiben die artspezifischen Bedürfnisse.
- Mehr Einblick in Verwandtschaft: Wer die Änderungen kennt, versteht Vielfalt und Evolution innerhalb der Gruppe besser.
Auch wenn es Zeit braucht, bis alle diese Namen übernehmen, steht hinter der Neuordnung ein genaueres Bild der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb dieser Sukkulenten.

Warum diese Umklassifizierungen für Zimmerpflanzenfans relevant sind
Botanische Namensänderungen können erst mal nach Chaos wirken – bringen aber echte Vorteile für Pflanzenfans, Sammler und den gärtnerischen Alltag. Wenn du diese Updates einordnen kannst, recherchierst du zuverlässiger, verstehst Pflegeinfos besser und bekommst ein klareres Bild davon, wie Pflanzen evolutiv zusammenhängen.
Wie Namensänderungen dir konkret helfen
✔ Zugang zu verlässlichen Informationen – Wenn du nach dem aktuellen Namen suchst, landest du eher bei Datenbanken und Fachinfos, die den neuesten Stand abbilden.
✔ Weniger Missverständnisse – Wer alte und neue Namen kennt, kann in Gruppen, Foren und Gesprächen einfacher folgen und klarer kommunizieren.
✔ Genaueres Pflegeverständnis – Neu definierte Gattungen spiegeln manchmal echte Unterschiede wider. Kletternde Aloen (Aloiampelos) profitieren zum Beispiel eher von einer Rankhilfe, während rosettig wachsende Aloen (Aloe) häufig kompakter im Topf bleiben.
✔ Besseres Verständnis von Verwandtschaft – Zu wissen, warum Sansevieria heute unter Dracaena läuft, macht „versteckte“ Verbindungen zwischen Pflanzen sichtbarer.
✔ Mehr Sammlerinteresse – Namenswechsel können Aufmerksamkeit verschieben und bestimmte Arten (oder Gattungen) wieder stärker ins Rampenlicht holen.
So gehst du mit mehreren Namen im Handel und online um
Viele Betriebe übernehmen neue Namen nicht sofort. Mit diesen Punkten bleibst du entspannt und findest trotzdem die richtigen Infos:
- Beide Namen nutzen – Wenn du Pflegeinfos zu Goeppertia orbifolia suchst, hilft oft auch die Suche nach dem früheren Namen Calathea orbifolia.
- Autoritative Datenbanken prüfen – Verlässliche Quellen für aktuelle Klassifikationen sind:
- Fachkreise nutzen – Pflanzengruppen, botanische Gesellschaften und spezialisierte Foren übernehmen neue Namen oft schneller als der Handel und helfen bei Synonymen.
- Doppelt beschriften – In der eigenen Sammlung kannst du beide Namen notieren (z. B. Dracaena trifasciata (syn. Sansevieria trifasciata)), um Umstellungen im Blick zu behalten.
- Flexibel bleiben – Im Handel werden Namen oft aus Wiedererkennungsgründen behalten. Wenn du beide Varianten kennst, findest du dich leichter zurecht.
Herausforderungen und Kritik bei botanischen Umklassifizierungen
Umklassifizierungen sind wichtig für wissenschaftliche Genauigkeit, bringen aber auch praktische und teils ethische Fragen mit sich. DNA-Daten klären zwar viele Verwandtschaften – gleichzeitig entstehen neue Reibungspunkte: Verwirrung, widersprüchliche Datenbanken und Diskussionen darüber, wie „intuitiv“ eine Einordnung sein sollte.
Zu wenige ausgebildete Taxonominnen und Taxonomen
Der Mangel an Fachleuten ist ein wachsendes Problem. Während molekulare Methoden immer wichtiger werden, werden weniger Personen in klassischen Ansätzen geschult – etwa in der morphologischen Bestimmung. Das bremst die Erstellung umfassender Checklisten und kann dazu führen, dass Datenbanken nicht überall gleich schnell oder gleich konsequent aktualisieren.
Balance zwischen Genetik und Morphologie
DNA hat Taxonomie revolutioniert – trotzdem gibt es Kritik an einer zu starken Fokussierung auf genetische Daten. Viele Gruppen wurden über lange Zeit anhand gemeinsamer äußerer Merkmale zusammengefasst. Wenn genetische Ergebnisse dann zu Trennungen führen, obwohl Pflanzen sich sehr ähnlich sehen, wird die Bestimmung im Feld oder im Alltag schwieriger – und das wirkt für viele erst mal kontraintuitiv.
Widersprüchliche Datenbanken
Globale Datenbanken sind nicht immer einheitlich. Studien zeigen, dass große Checklisten teils nur zu etwa 60 % übereinstimmen – dadurch kann eine Art je nach Quelle unter verschiedenen akzeptierten Namen auftauchen. Das erschwert Recherche, Naturschutzarbeit und internationalen Handel.
Auswirkungen auf Gartenbau und Handel
Produzenten, Gärtnereien und Händler behalten ältere Namen oft bewusst, damit Kundschaft Pflanzen wiedererkennt. Eine Art, die unter dem gewohnten Namen ein Verkaufsschlager war, muss unter einer neuen Bezeichnung erst wieder „gefunden“ werden. Das führt zu Verzögerungen und zu Lücken zwischen Forschung und Etiketten im Handel.
Ethische und kulturelle Aspekte
Neben der Genetik wird auch historisch belastete Nomenklatur diskutiert. Einige Pflanzen wurden umbenannt, um Bezüge zu rassistischen, kolonialen oder beleidigenden Begriffen zu entfernen. Solche Änderungen sind wichtig, erhöhen aber die Komplexität für alle, die Namen nachverfolgen.
Wie lässt sich das verbessern?
Fachleute nennen mehrere Ansätze, um Umklassifizierungen verständlicher und alltagstauglicher zu machen:
- Genetik und sichtbare Merkmale gemeinsam bewerten – DNA-Daten mit klassischen botanischen Merkmalen kombinieren, damit Einordnungen besser nachvollziehbar bleiben.
- Bessere Abstimmung zwischen Datenbanken – Mehr globale Konsistenz würde widersprüchliche Namenslisten reduzieren.
- Klarere Kommunikation – Botanische Einrichtungen, Handel und Online-Plattformen sollten Änderungen besser erklären, damit neue Namen nicht „über Nacht“ auftauchen.
Umklassifizierungen werden weitergehen – Wissenschaft bleibt in Bewegung. Wenn Umsetzung und Kommunikation besser werden, können alle Beteiligten (von Forschung bis Hobby) deutlich leichter mitziehen.
Fazit
Botanische Namensänderungen können anfangs überfordernd wirken – sie gehören aber zum wissenschaftlichen Fortschritt. Ob aus der Untergattung Meconostigma heute Thaumatophyllum wird, ob viele ehemalige Calathea-Arten nun als Goeppertia laufen oder ob Sansevieria offiziell in Dracaena aufgeht: Jede dieser Verschiebungen steht für ein genaueres Verständnis von Evolution und Verwandtschaft.
Für Zimmerpflanzenfans lohnt es sich, die aktuellen Namen zumindest einordnen zu können. Du findest Pflegeinfos leichter, vermeidest Missverständnisse in Gesprächen und bekommst nebenbei ein tieferes Gefühl dafür, wie vielfältig Pflanzen wirklich sind. Diese Änderungen sind nicht willkürlich – sie basieren auf genetischen Daten und begutachteten Studien.
Und ganz praktisch: Bogenhanf bleibt genauso robust, und „Philodendron selloum“ bleibt genauso eindrucksvoll – nur mit einem Namen, der die Abstammung präziser widerspiegelt. Wenn du diese Änderungen als Lernchance siehst, wächst nicht nur deine Pflanzensammlung, sondern auch dein botanisches Verständnis.
Quellen und weiterführende Lektüre
Botanische Datenbanken
Royal Botanic Gardens, Kew – Plants of the World Online
Umfangreiche Datenbank mit aktuellen Taxonomien und Synonymlisten.
International Plant Names Index (IPNI)
Gemeinschaftsprojekt von Kew, Harvard University Herbaria und dem Australian National Herbarium zur Indexierung wissenschaftlicher Pflanzennamen.
Catalogue of Life
Listet akzeptierte Namen und Synonyme für Pflanzenarten.
https://www.catalogueoflife.org/
World Checklist of Vascular Plants (WCVP)
Ressource zum Abgleich aktueller akzeptierter Namen und taxonomischer Statusangaben.
https://www.gbif.org/dataset/f382f0ce-323a-4091-bb9f-add557f3a9a2
Wissenschaftliche Publikationen
Mayo, S. J., Bogner, J., & Boyce, P. C. (1997). The Genera of Araceae. Royal Botanic Gardens, Kew.
Grundlegendes Standardwerk zur Systematik der Aronstabgewächse, das moderne molekulare Revisionen stark geprägt hat.
https://www.researchgate.net/publication/280387316_The_Genera_of_Araceae
Lu, P.-L. & Morden, C. W. (2014). Phylogenetic Relationships among Dracaenoid Genera (Asparagaceae: Nolinoideae) Inferred from Chloroplast DNA Loci. Systematic Botany, 39(1): 90–104.
https://doi.org/10.1600/036364414X678035
Lu, P.-L. & Morden, C. W. (2011). Phylogenetics of the Plant Genera Dracaena and Pleomele (Asparagaceae). Botanica Orientalis: Journal of Plant Science, 7: 64–72.
https://doi.org/10.3126/botor.v7i0.4385
Kim, H.T., Lee, J.H., & Kim, J.S. (2022). Phylogenetic relationships and taxonomic implications of Dracaena and related taxa (Asparagaceae) based on plastid genome data. Molecular Phylogenetics and Evolution, 169: 107419.
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1055790322000173
Borchsenius, F., Suárez Suárez, L. S., & Prince, L. M. (2012). Molecular Phylogeny and Redefined Generic Limits of Calathea (Marantaceae). Systematic Botany, 37(3): 620–635.
https://www.jstor.org/stable/41679861
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U.S. Botanical Capacity Report Published by BGCI.
https://www.bgci.org/wp/wp-content/uploads/2019/06/US-Botanical-Capacity-Report.pdf
Lowry II, P. P., & Plunkett, G. M. (2020). Resurrection of the genus Heptapleurum for the Asian clade of species previously included in Schefflera (Araliaceae). Novon: A Journal for Botanical Nomenclature, 28(3): 143–170.
https://doi.org/10.3417/2020612
GBIF Data on Thaumatophyllum
Umfassende Artendaten aus GBIF.



